Reutlinger General-Anzeiger
Bilderrahmen
Fotowand als Baumcollage: Zwischen den Baumstücken hat Bianca viel Platz gelassen, um die Fotos wirken zu lassen. Foto: privat

#AnkeUnterwegs

Der Memory-Tree

Bianca gestaltet leidenschaftlich gern ihre Wohnung um. Ihr jüngstes Projekt: eine Wandcollage, die gegen Heimweh hilft.

Basteln und Zeichnen sind für Bianca absolute Lieblingsbeschäftigungen. Sie nutzt ihre kreativen Projekte als Ausgleich zum Refrendariatsalltag. Ich habe mir erzählen lassen, wie ihr neustes Projekt – eine Fotowand – entstanden ist. „Der Freunde- und Familienbaum ist aus der Idee heraus entstanden, dass ich Leute, die mir wichtig sind, bei mir haben wollte“, erklärt sie. Seit Januar 2020 macht die 26-Jährige ihr Referendariat als Gymnasiallehrerin im Schwarzwald. Damit liegen rund 50 Kilometer zwischen Alltag und Freunden.

Florales Fotowand-Konzept

Der Baum ist ein echter Blickfang geworden. Wenn man in Biancas frisch renoviertes Wohnzimmer tritt, sieht man an der gegenüberliegenden Wand schwarze Äste, die sich auf gut 2,5 x 2,5 Metern ausbreiten. Mitten in der Baumkrone hängen zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos in schlichten Rahmen. Die Wand dahinter ist in einem tiefen Rot gestrichen. So kommen die schwarzen Baumpartien und die dezenten Fotos prima zur Geltung. Zwischendrin hängen – als Highlights – einige Bilder mit goldenen Rahmen. Ein echter Wow-Effekt!

Fotowand
Bitte keine klassische Fotowand! Bianca hat ihre ganz eigene Idee von einer Bilder-Collage umgesetzt . Foto: privat

Die Fotos sind so angeordnet, dass jedes genug Platz hat, um zu wirken. Da sind Opa und Oma, Tanten und Onkel, etliche enge Freundinnen und natürlich ihre Schwester Tanja. Ganz oben haben die süßen Kaninchen von Bianca und Tanja einen Ehrenplatz bekommen. „Die haben so lange zur Familie gehört, dass sie auch aufgehängt werden mussten!“, betont sie. Was lange für uns ist, ist ewig für kleine Nager: Einer der beiden ist ganze 14 Jahre alt geworden – ein biblisches Alter für Kaninchen.

Hasen
Ehrenplatz für die Kaninchen! Foto: privat

„Fotos machen sich doch eigentlich auch so ganz gut an der Wand. Wie kamst Du auf die Idee, eine Baumcollage zu machen?“, frage ich Bianca. Ihre Antwort: „Nun, ich wollte etwas Individuelles für mein Wohnzimmer. Ich mag es, meine Raumdeko selbst zu gestalten. Im Internet habe ich dann dieses Motiv gefunden, und es hat mir sofort sehr gefallen. Das Beispiel war allerdings aus Metall, womit ich keine Erfahrung habe. Deshalb habe ich mich für Sperrholz entschieden. Das ist leicht, stabil und lässt sich gut in Form bringen.“

Sportlich: Krabbeln und Zeichnen

Easy wirkt so ein großes Projekt trotzdem nicht. Bianca stimmt zu: „Man sollte schon Übung im Zeichnen haben, um die Skizze hinzubekommen“. Dennoch war es kein großer Act für sie, den riesigen Baum auf eine 1,50 x 1,50 große Sperrholzplatte zu skizzieren. Eine nicht unerwartete Schwierigkeit war, dass man so ein Format gar nicht in ein normales Auto packen kann. Nun denn, da musste ein Baumarktmitarbeiter die Platte eben an einer passenden Stelle durchsägen. Zuhause wurde zum Zeichnen das Ganze wieder zusammengeschoben. „Dann bin ich auf dem Boden herumgekrabbelt und habe Stück für Stück den Umriss meiner Fotowand entworfen“.

Danach wurden die einzelnen Segmente markiert, die später auseinandergesägt werden sollten. Denn das Ziel war eine „Baum-Dekonstruktion“, also ein Gebilde, das künstlerisch in seine Bestandteile zerlegt wird.

Fotowand
Bianca hat den Baum in Segmente unterteilt, um später Platz für die Fotos zu haben. Foto: privat

Wie zerlegt man eine Fotowand?

Ab dem Moment begann ein wirklich kniffliger Part: das Sägen mit der Handstichsäge. Vielleicht hast Du auch schon mal eine Stichsäge benutzt und weißt, da gibt‘s ein Detail, das manchen Bastler aus der Fassung bringen kann: Das Vibrieren der Holzplatte. „Als das erste Baumblatt wegen des Vibrierens abgefallen ist, hat mir das richtig wehgetan!“, erinnert sich Bianca. „Ich habe die Sperrholzplatte auf unserer Werkbank festgeschraubt und bin mit der Säge quasi drum herum geklettert, um alle feinen Ecken und Winkel auszusägen“.

Fotowand
Fitzelarbeit im Hobbykeller. Bianca nutzt bei ihren Projekten professionelles Werkzeug. Die Äste hat sie mit der Handstichsäge ausgesägt. Foto: all

Fitzelarbeit mit dem Maxi-Puzzle

Zwei Tage hat die Fitzelarbeit im Keller gedauert. Das Ergebnis: ein kunterbunter Berg an Holzpuzzle-Teilen und dazu ein heftiger Muskelkater! Nun musste Bianca die einzelnen Teile noch lackieren und schließlich wieder zu einem Gesamtbild ordnen. „Das war ein echtes Geduldsspiel. Gut, dass ich Fotos vom Entwurf hatte“, sagt sie. Jetzt lag das Werk endlich greifbar vor ihr. Stück für Stück nahm sie den Baum nun wieder auseinander, klebte zuerst den Stamm, dann die unteren Äste an die Wand.

Fotowand
Noch liegt alles: Nach dem Lackieren mussten die Baumteile erstmal trocknen. Foto: privat

Endlich geht’s in die Vertikale!

„In dem Moment war es toll war, dass es UHU-Klebeknete für Außenwände gibt. Denn die Wohnzimmerwand ist eine Außenwand, und da haftet das normale Pata-Fix nicht so zuverlässig“, erklärt mir Bianca. Mit den Klebepflastern ließen sich die Sperrholzsegmente ganz leicht aufhängen. „Ich habe den Baum von unten her aufgebaut: nach dem Stamm die ersten dicken Äste und die größeren Fotos, dann die nächsten Äste und Bilder und so weiter“. Nach oben hin hängen kleinere Bilder als unten. Klar, die Baumkrone ist oben ja lichter und zierlicher als unten.

Fotowand
Hänge-Probe mit leeren Bilderrahmen. Man sieht schon, wie’s werden soll. Foto: privat

„Wie fühlt es sich jetzt an, wo Du fertig bist?“ Bianca: „Ich bin sehr froh, dass das Projekt gelungen ist, obwohl ich mich über die 3, 4 abgefallenen Blätter schon immer noch ärgere“.

„Und was meinst Du, Bianca, wird Deine Fotowand für immer so hängen bleiben?“ Die Frage ist nicht einfach, meint Bianca. Wenn sich die nächste Kreatividee ankündigt, könnte vielleicht auch was anderes an der Stelle „wachsen“. Jetzt will sie aber erstmal den Liebe-Leute-Baum genießen.

all

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