Reutlinger General-Anzeiger
Uli Schaich vor ihrem Minihaus. Foto: Anja Allmeritter
Uli hat an ihrem Tiny House einiges mitgestaltet. Für sie sind die Häuschen ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Foto: Anja Allmeritter

#AnkeUnterwegs

Zu Besuch bei Uli

Ruhe und für sich sein, sind für Ulrike Schaich ein wichtiges Gut. Sie hat sich mit ihrem Minihaus einen kuscheligen Rückzugsort geschaffen.

Acht Jahre ist es her, dass Ulrike Schaich sich zum ersten Mal Gedanken über ein Minihaus gemacht hat. „Ein Raum für mich, aus dem heraus ich nebenbei die Kinder im Garten im Blick habe – so etwas wollte ich“, so die Mutter und Pfarrerin. Heute ist ihr Sohn groß, das Tiny House ist ihr weiter wichtig. „Es ist meine Klause!“, so Uli, „hier kann ich allein sein, wenn mir danach ist.“

Strom von der Sonne

Wir stehen am Fenster im Küchenbereich. Der Kaffee dampft bereits in den Tassen, als wir uns hinsetzen. Weil es schon dämmert, knipst Uli die Leselampe an. „Woher bekommst Du den Strom“, will ich wissen, „hast du einen Generator?“ „Nein“, lacht sie, „der kommt von einem Solarpanel im Garten“. Ich bin erstaunt, das habe ich beim Ankommen gar nicht gesehen. Sie zeigt aus dem Fenster, wo ein kleiner Kollektor in der Wiese steht. Und da sind wir auch schon bei Ulis Herzensthema. „Mein Ziel ist es, zu schauen, wie wir unser Leben ein wenig nachhaltiger gestalten können – jetzt und in Zukunft“.

Minihaus - Uli Schaichs Tiny House innen. Foto: Anja Allmeritter
Ihren Strombedarf deckt Uli über ein Solarpanel. Foto: Anja Allmeritter

Minihaus und Umweltschutz

„Was hat das mit Deinem Tiny House zu tun?“, frage ich sie. „In einem Tiny House brauchst Du sehr wenig Energie zum Heizen und Beleuchten. Für beides kannst Du nachhaltige Energiequellen benutzen. Außerdem hast Du beim Bau wenig Materialverbrauch und verwendest nachwachsende Baustoffe“. Uli nimmt das Thema Umweltschutz und Klimawandel sehr ernst. „Wir Menschen sind mittlerweile wirklich im Kampf mit der Natur“, sagt sie. „Das kann man so einfach nicht hinnehmen“. Auch spirituelle Aspekte würden durch die Umweltprobleme berührt: „Als Pfarrerin habe ich die Schöpfung im Blick. Sie ist Basis unseres Lebens und für gläubige oder spirituell lebende Menschen auch Teil ihres Glaubens.“

Nähe zur Natur

Dabei schaut sie in den Garten: „Hier drin bekomme ich die Natur viel direkter mit, als im Haus nebendran – das Tiny House ist ein Puzzleteilchen unter vielen, die das Thema „Schöpfungsspiritualität“ abbilden“. In ihrer Arbeit als Pfarrerin organsiert sie auch „Wednesdays for future“ und nimmt aktiv am ökumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens teil.

Individuelle Ausgestaltung

2015 hat sie ihren Traum mit der Hilfe eines Tischlers aus Bad Wildungen verwirklicht. Plan und Konzept haben beide gemeinsam erarbeitet: Dazu gehörte, dass ihr kleines Refugium trotz seiner Größe von nur 12,5 Quadratmetern, zwei Schlafemporen und ein Bad haben sollte. Außerdem wünschte sich Ulrike einen Giebel, der den Innenraum nicht beschneiden sollte. Eine spannende Herausforderung, denn normalerweise verringern die Giebelschrägen das Innenraumvolumen. Die Lösung: eine flache Giebelfront an der Längsseite vom Minihaus. Damit behalten die zwei Schlafkojen eine angenehme Raumhöhe.

Viel selbst gemacht

„Die Zusammenarbeit mit dem Fachmann war toll“,  lobt Uli. Vor allem, dass sie selbst einiges beitragen konnte, was ihr wichtig war. Den kleinen Tisch hat sie eigenhändig eingebaut, genauso wie die Regale und die Küchenanrichte mit Spülbecken aus gebranntem Ton. Auch den Kaminofen, der gemütlich vor sich hin bullert, hat sie eingebaut.

Minihaus und Zulassung

„Viele Leute, die ein Minihaus oder Tiny House wollen, sind sich am Anfang der Hürden nicht bewusst, die so ein Projekt mit sich bringt“, sagt sie. Das hat sie am eigenen Leib erfahren. Die Konstruktion war da eigentlich die kleinste Aufgabe, zumal ihr Tischler mit sehr viel Sachverstand ans Werk gegangen ist. Neben Ulis Gestaltungswünschen hat er auch auf eine 80 Millimeter-Dämmung mit Naturmaterialien, Hinterlüftung und eine solide Fußbodendämmung geachtet.

Die wirklich kniffligen Themen kamen parallel zum Bau mit den bürokratischen Herausforderungen. Uli erzählt: „Man braucht unbedingt einen Stellplatz. Den hatten wir erfreulicherweise hier auf unserem Grundstück. Aber das Haus musste auch dafür zugelassen werden. Das war schon etwas schwieriger“, so Ulrike.

Plan Dein Projekt gut vor

„Was war das Problem?“, frage ich sie. „Besonders die Statikprüfung stellte eine größere Hürde dar. Wir mussten eine lange bürokratische Wegstrecke zurücklegen, bis wir das Thema beim Bauamt geklärt hatten.“ Im Rückblick hätte sie das Procedere lieber einfacher gestaltet. Für andere Tiny House-Begeisterte empfiehlt sie deshalb, dass sie ihr Projekt vor allem mit Blick auf die Baugenehmigung gut vorplanen.

Ulis Tipps:

  • Sich klar werden, ob man die Baugenehmigung für das Tiny House als gelegentlichen Aufenthaltsort braucht
  • Oder willst Du permanent darin wohnen. Dann musst Du Auflagen wie Nahversorgungsanschlüsse gewährleisten.
  • Einen Bau- oder Stellplatz suchen. Ohne geht es nicht!
  • Besser vor dem Bau oder dem Kauf sicherstellen, dass eine amtlich anerkannte Statikprüfung durchgeführt wird.
  • Auch sollte man erstmal eine Bauvoranfrage beim Bauamt stellen, bevor man sein Projekt in Angriff nimmt.
  • Weitere Tipps von anderen Tiny House-Kennern findest Du hier.

In den USA, so Uli, habe der Gesetzgeber sein Baurecht mit Blick auf die Tiny Houses angepasst. „So weit sind wir hier noch nicht. Deshalb heißt es, gut aufpassen, was man alles beachten muss. Das spart am Ende bürokratischen Aufwand und schützt vor eventuellen Enttäuschungen“, so Ulrike.

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