Reutlinger General-Anzeiger
Bauprojekt
Weg vom Massenwaren-Image: Auch Fertighäuser bieten mittlerweile viele Möglichkeiten zur Individualisierung. Foto: SchwörerHaus

Bauen

Wie möchtest Du bauen?

Was passt zu Dir? Bauen mit einem Architekten oder mit einem Fertighaushersteller? Hier ein Überblick über die Vor- und Nachteile beider Varianten.

So baust Du mit einem Architekten

Welche Variante Du wählst, darüber entscheiden neben Deinen Vorlieben auch Deine finanziellen Möglichkeiten. Eine eher kostpielige, dafür aber auch wertbeständige Möglichkeit ist das Bauen mit einem Architekten. Noch vor wenigen Jahren galt das Architektenhaus als das bewährteste Eigenheimkonzept. Und auch heute spricht noch manches für die Herangehensweise, die vor allem zwei Punkte garantiert: Hohe Individualität und Wertbeständigkeit.

Bauprojekt
Mit einem Architekten setzt Du Deine individuellen Vorstellungen von Deinem Zuhause um. Foto: Zwo P Ulm

Erfahrung und Kreativität

Ein Architektenhaus lässt bei Deinem Bauprojekt größtmögliche gestalterische Freiheit zu. Das fängt bei der Raumaufteilung an und hört bei der Terrassengestaltung auf. Denn eine gute Architektenplanung weißt sich durch ihre hohe Flexibilität aus. Egal ob Du einen Extra-Abstellraum, eine Fitness-Lounge oder eine schmucke Arbeitsecke wünschst – die meisten Deiner Wünsche wird der Architekt mit einplanen. Auch bei der Grundstücksnutzung kannst Du Vorteile nutzen, denn ein erfahrener Architekt erkennt die Möglichkeiten und Grenzen eines Baugrunds. Er kann schwierige Bodenbeschaffenheiten einschätzen, Hilfsmaßnahmen und Kosten benennen und optische Nachteile durch clevere Gestaltungsideen ausgleichen. Ein unattraktiv wirkendes Grundstück zu einem guten Preis kann bei einem geschickten Konzept tolle Perspektiven eröffnen.

Wer koordiniert das Bauprojekt?

Als verantwortlicher Planer sollte ein Architekt Dein Bauprojekt auch gegenüber Behörden und Baufirmen vertreten. Denn er ist derjenige, der sich auf Deiner Baustelle am besten mit Baurecht, kommunalen Vorgaben und technischen Anforderungen auskennt. Während der Ausführung übernimmt er die Bauleitung und Koordination der Firmen. Das kann besonders bei Bauphasen entscheidend sein, die Risiken bergen, wie beispielsweise die Abdichtungsarbeiten.

Wie wertbeständig ist ein Architektenhaus?

Architektenhäuser gelten – insbesondere wenn es sich um Massivbauweise handelt – als sehr wertbeständig. Ihre Lebensdauer wird in der Regel auf 100 bis 120 Jahre geschätzt. Ihr Wiederverkaufswert erweist sich stabiler als beispielsweise bei einem Fertighaus. Natürlich hängt dieser Aspekt stark von den verwendeten Materialien und der Qualität der Ausführung ab.

Kosten eines Architektenhauses

Weniger gut schneiden Architektenhäuser beim Kostenvergleich ab. Wegen ihrer Individualität lassen sich Durchschnittspreise zwar schlecht benennen. Fachleute gehen erfahrungsgemäß von etwa 1.400 bis 1.900 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche aus sowie mit rund 750 Euro pro Quadratmeter für das Anlegen eines Kellers. Ein Fertighaus ist in der Regel günstiger: Hier beginnen günstige Varianten bei 100.000 Euro Basispreis. Jedoch können sehr hochwertig ausgestattete Fertighäuser auch an die Baukosten eines individuell geplanten Gebäudes heranreichen. Bei beiden Konzepten sollten Baunebenkosten von zehn bis 15 Prozent mit einkalkuliert werden.

Welcher Zeitaufwand ist nötig?

Nicht vergleichbar ist die Bauzeit, denn ein individuell geplantes Bauprojekt dauert ein Vielfaches länger ein Fertighausbau. Ein Haus in Massivbauweise entsteht bei idealen Bedingungen in wenigstens vier Monaten. Ein Fertighaus – Innenausbau eingerechnet – in wenigen Wochen.

Bauprojekt
Fertighäuser – hier ein Minihaus – sind innerhalb kürzester Zeit aufgebaut. Foto: SchwörerHaus

Was kommt bei einem Fertighaus auf Dich zu?

Im Fertighaus-Bau kannst Du im Prinzip unter zwei Konzepten wählen: dem klassischen Fertighaus mit vorgefertigten Bauteilen und dem Massiv-Fertighaus. Beiden gemeinsam ist, dass Du Dein Traumhaus aus einem vorgegebenen Portfolio auswählst – fast wie aus einem Katalog. Namhafte Hersteller bieten sogenannte Hausparks, in denen Du einige ihrer Modelle besichtigen kannst. Ein zentrales Merkmal ist, dass die Häuser standardisierte Formen aufweisen. Da viele Bauherren aber Wert auf ihren persönlichen Stil legen, bieten einige Hersteller seit einiger Zeit auch Individualisierungsmöglichkeiten an. Größer, kleiner, mit mehr oder weniger Fenstern, Holzfassade oder Putz, Balkon oder Terrasse – vieles kannst Du im Rahmen der Standardleistungen selbst bestimmen.

Sind Eigenleistungen bei Deinem Bauprojekt möglich?

Wände, Decken und Dächer werden bei einem Fertighaus in großen Hallen vormontiert und anschließend auf Deinem Grundstück auf einer Bodenplatte aus Beton aufgebaut. Wenn Du über Eigenleistungen Geld sparen möchtest, solltest Du dies mit Deinem Hersteller vorab klären. Denn bei manchen gehört das „Ausbauhaus“ ebenfalls zum Portfolio. Das Thema „Eigenleistungen“ ist auch bei anderen Konzepten, wie dem Architektenhaus, möglich und im Allgemeinen eine Frage der Verhandlung.

Auch Eigenleistungen kannst du bei Deinem Baukonzept einplanen. Foto: freepik.com

Wie lange hält ein Fertighaus?

Wichtig ist, dass auch Fertighäuser von Architekten geplant werden – ein Vorteil, der Dir auch in Hinsicht auf die Baustellenkoordinierung zu Gute kommt. Bei einer guten Bauausführung darfst Du auch bei Deinem vorgefertigten Fertighaus mit einer recht hohen Lebensdauer rechnen. 70 bis 90 Jahre werden in der Regel dafür angesetzt.

Was ist ein Massiv-Fertighaus?

Ein Massiv-Fertighaus unterscheidet sich davon vor allem durch die Bauweise. Denn im Unterschied zum Haus aus Holzbauteilen entstehen sie Stein auf Stein. Daher ähnelt die Bauzeit einem Architektenhaus, sprich mindestens vier bis sechs Monate. Wohingegen der Rohbau eines klassischen Fertighauses schon innerhalb weniger Tage steht. Auch sind Massiv-Fertighäuser in der Bauphase von der Witterung abhängig. Schlechtes Wetter kann den Bau verzögern. Im Unterschied dazu ist die Bauteilmontage eines klassischen Fertighauses witterungs- und jahreszeitenunabhängig.

Möchtest Du noch weitere Wege kennenlernen, auf denen Du zu einer eigenen Immobilie gelangst? Dann lies auch die Beiträge über Ingrid und ihre Investition in eine Bauherrengmeinschaft und über das Bauen mit einem Bauträger.

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