Reutlinger General-Anzeiger
Fertighaus
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Fertighaus – Check

Ein Fertighaus gilt als schnellste Art, den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Das solltest Du bei Deinem Vorhaben beachten, um gut vorbereitet zu sein.

Ein Bauvorhaben ist immer eine sehr große Angelegenheit. Mit einem Fertighaus kannst Du Dir einen Teil des Aufwandes sparen. Denn viel Planungsaufwand wird vom Hersteller übernommen und die Bauzeit ist quasi nicht zu unterbieten. Trotzdem gibt es auch bei einem Fertighausbau eine ganze Menge zu bedenken.

Basics zum Fertighaus

Zunächst ist es wichtig, zu verstehen, was das Besondere an einem Fertighaus ist. Im Unterschied zur Massivbauweise wird ein Fertighaus in Einzelteilen hergestellt. Das heißt: Wände, Decken und Dach stellt Dein Hersteller im Werk industriell her. Damit ist er bei der Vorkonstruktion witterungsunabhängig. Dann werden die Teile zu Deinem Grundstück geliefert und in wenigen Tagen zusammenmontiert.

Fast komplette Vorfertigung

Es gibt Fertighäuser in Holzbauweise – hier ist die Konstruktion aus Holz, vergleichbar mit einem traditionellen Fachwerkhaus. Andere Hersteller verwenden Beton oder Leichtbeton. Um den Aufwand auf der Baustelle gering zu halten, werden Elektro-, Wasser- oder Gasleitungen schon in der Produktionshalle in die Wände integriert. Das spart am Ende enorm Zeit bei der Montage und sichert Dir in diesem Punkt die Qualitätsgarantie Deines Herstellers. Ebenso wird  vorab die Dämmung auf die Wandflächen aufgebracht. Auch das spart Dir eine zeitaufwendige Arbeitsphase. Moderne Fertighaushersteller setzen beim Thema Dämmung auf optimale Materialauswahl und Technik. Die Umsetzung der Energieeinsparverordnung ist mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben und gehört daher zu den Standardleistungen. Ist Dein neues Heim im Rohbau montiert, beginnt der Innenausbau. Du siehst, wie  Türen eingebaut werden, wie  Böden verlegt werden und wie Dein Bad Form annimmt. Dein Haus wird langsam bewohnbar. Je nach Hersteller und Aufwand rechnet man mit zwei bis acht Wochen für den Innenausbau. Am Ende brauchst Du nur noch Deine Möbel einzuräumen – fertig!

Was solltest Du beim Fertighaus beachten?

Natürlich gibt es beim Fertighausbau gewisse Standards, auf die Du Dich verlassen kannst. Trotzdem gibt es verschiedene Aspekte, die Du am besten vor Deinem Kauf beachtest.

Individuelle Leistungen abklären

Schau, ob Du bei der Gestaltung Deines Hauses individuelle Wünsche einbringen kannst und ob sie im Gesamtpreis enthalten sind. Manchmal hast Du die Möglichkeit, etwa bei der Fassade oder bei der Größe der Fenster, eigene Ideen einzubringen, ohne dass es etwas extra kostet. Falls doch, kläre rechtzeitig die möglichen Zusatzkosten mit Deinem Hersteller ab. Manchmal geht es auch um so wesentliche Kleinigkeiten wie genügend Steckdosen. Sind zu wenige eingeplant, kann das später ganz schön Nerven kosten.

Leistungsbeschreibung prüfen

Seit 2018 ist ein neues Bauvertragsrecht in Kraft, das die Baubeschreibung als verbindlichen Teil des Vertrags vorschreibt. Die enthält eine Auflistung aller vom Hausanbieter zu erbringenden Leistungen. Sie umfasst in der Regel Vereinbarungen zum Innenausbau, zur Sanitärausstattung, zur Elektroinstallation, zu Informationstechnologie und Außengestaltung. Und sie ist bindend für den Anbieter. Trotzdem solltest Du sie sehr sorgfältig prüfen. Denn nicht immer ist genau beschrieben, welche Qualität die aufgeführten Ausstattungsgegenstände haben.

Details geben Sicherheit

Grundsätzlich gilt: Je detaillierter die Leistungsbeschreibung ist, desto besser für den Bauherrn. Sind Türen, Fenster und Badewanne Markenprodukte oder Billigware? Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob die Beschreibung in Ordnung ist, versuch das mit Deinem Anbieter zu klären oder hol Dir Rat bei der Verbraucherzentrale. Alternativ gibt es Hilfe beim Verband privater Bauherren.

Baugenehmigung frühzeitig einholen

Dein Grundstück sollte sich für den von Dir gewählten Bau eignen. Dafür stellst Du einen Bauantrag. Kläre trotzdem mit Deinem Fertighaushersteller, in welcher Planungsphase Du die Baugenehmigung vorlegen musst. Damit ersparst Du Dir unschöne Überraschungen. Vielleicht gibt es hohes Grundwasser vor Ort und Dein Keller braucht wasserundurchlässige Wände, womit Du vorher nicht gerechnet hast. Oder Dein Wunschhaus ist zu groß für das Grundstück. Manchmal scheitert es schon daran, dass der für die Montage erforderliche Kran und Schwerlastverkehr nicht bis ans Grundstück kommen können. Egal welche Komplikation es ist – besser Du weißt frühzeitig Bescheid und kannst zusammen mit Deinem Anbieter nach Lösungen suchen.

Fertighaus
Besser frühzeitig an den Bauantrag denken. Foto:179381333/adobe stock.com

Betreuung nach dem Fertighaus-Bau

Auch beim besten Bauprojekt gibt es hin und wieder Probleme. Vielleicht ist eine Kellerwand feucht, ein Fenster klemmt oder die Smarthome-Technik funktioniert nicht richtig. Dann sollte guter Rat nicht teuer sein. Viele Anbieter betreuen ihre ehemaligen Bauherren nach der Fertigstellung weiter. Am besten, Du hast in Deinem Fertighausvertrag gleich den kostenlosen Kundendienst  mit vereinbart. Achte darauf, dass Dein Anbieter Dir einen  Ansprechpartner für die Zeit nach der Schlüsselübergabe zur Verfügung stellt, der für Deine Fragen und mögliche Probleme bereitsteht.

Gewährleistung bei Mängeln

Als privater Bauherr hast Du fünf Jahre Gewährleistung ab Abnahme auf Dein neues Zuhause. In dieser Zeit muss die Baufirma Schäden, die durch sie entstanden sind, beseitigen. Eine Voraussetzung ist, dass der Mangel klar erkennbar ist. Und: Kommen mehrere Vertragspartner in Betracht, musst Du, wenn es hart auf hart kommt, nachweisen können, wer ihn wirklich verursacht hat. Ist zum Beispiel eine Kellerwand feucht, könnte eventuell auch der Sanitärfachmann oder der Gartenbauer etwas falsch gemacht haben. Am sichersten bist Du, wenn Du einen Bau-Sachverständigen zurate ziehst. Denn auf sein Urteil hin lässt sich Dein Anspruch auf Gewährleistung sehr viel leichter durchsetzen, als wenn Du allein mit Deiner persönlichen Einschätzung argumentierst.

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