Reutlinger General-Anzeiger
Immoblienpreise
Spekulationsobjekte: Grundstücke im Zentrum von größeren Städten sind auf dem privaten Immobilienmarkt fast nicht mehr erhältlich. Foto: Stadt Reutlingen

Bauen

Um die (Haus)-Ecke gedacht

Preissteigerungen von über 40 Prozent in zehn Jahren machen keine Freude. Jedoch gibt es versteckte Möglichkeiten, die den Weg zur Immobilie ebnen.

Nullzinspolitik und Baukosten halten Immobilienpreise hoch

Seit Jahren kennen die Immobilienpreise nur eine Richtung:  steil nach oben. Trotzdem gehört für viele ein Eigenheim weiterhin zu den TOP-Lebensprojekten. Sicher gibt es viele Gründe für diese Entwicklung – einer der Hauptgründe liegt nach Meinung von Experten in der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank.  Andere sehen die Probleme in steigenden Erstellungspreisen.

Rotierende Preisspirale

Fakt ist: Noch vor zehn Jahren konnte man im Landkreis Reutlingen eine Doppelhaushälfte für rund 300.000 Euro erwerben. Demgegenüber muss man 2021 mehr als 500.000 Euro berappen. Genauso ernüchternd die Grundstückspreise. Laut Immobilienverband Deutschland (IVD) konnte man 2011 in Reutlingen einen Quadratmeter erschlossenes Bauland in guter Wohnlage für 350 Euro kaufen, heute sind es 513 Euro. Wohin aber geht die Reise? Müssen junge Bauherren  in zwei Jahren immer noch eine viertel Million Euro für ihr künftiges Grundstück aufbringen?

Grafik: GEA Technik

Wie sehen die Immobilienpreise in den nächsten Jahre aus?

Leider gibt es auf diese Frage weiter nur düstere Antworten. Marktanalyst Professor Stephan Kippes vom IVD Süd erklärt: „Für Bauherren gilt es in Reutlingen aber auch im Umfeld mit steigenden Kosten zu rechnen. Diese Zuwächse speisen sich einerseits aus erheblich steigenden Grundstückskosten. Denn im Bereich Reutlingen ist das verfügbare Bauland sehr knapp und gefragt. Anderseits entstehen auch erheblich steigende Kosten für Baumaterialien und Handwerkerleistungen. Weiter muss gesehen werden, dass die verschärften energetischen Vorschriften (…) auch Kosten produzieren und den Bauherrn belasten.“

Gute Ideen gefragt!

Trotzdem gilt: Auch wenn die Aussichten düster sind – den Kopf in (Bau-)sand stecken hilft nicht! Also lieber nach Perspektiven suchen. Deshalb hat sich Anke bei Leuten erkundigt, die jeden Tag mit den problematischen Marktbedingungen zu tun  haben. Ihre Ideen für den Erwerb oder Bau einer eigenen Immobilie findet Ihr hier.

#1 Gemeinschaftlich Bauen

„Eine kostengünstige Alternative zum Einfamilienhaus oder zur Wohnung vom klassischen Bauträger sind Baugemeinschaftsprojekte. Eine Wohnung in einer Bauherrengemeinschaft kostet im Schnitt 20 Prozent weniger als ein konventionelles Kaufobjekt. Das kommt dadurch, dass keine Bauträgermarge anfällt. Baugemeinschaften orientieren sich dagegen nur an den realen Baukosten. Und diese liegen deutlich unter den zurzeit üblichen Immobilienpreisen.“

Expertentipp Wolfgang Konz, GfB Gesellschaft für Betreuung privater Bauherren

Projektentwickler Wolfgang Konz. Foto: GfB

#3 Gebäude umnutzen

„Wenn man die Augen offen hält, bietet sich die eine oder andere Chance für Gebäudeumnutzungen. Gewerbeimmobilien, alte Bauernhöfe oder auch das ausbaufähige Dachgeschoss können unter günstigen Voraussetzungen neue Wohnmöglichkeiten erschließen. Hier profitieren vor allem Menschen, die Spaß an Kreativität haben und auch gern selbst mit anpacken.“

Expertentipp Christoph Landgraf Immobilien

Immobilienpreise
Christoph Landgraf. Foto: Christoph Landgraf Immobilien

4# Ein altes Haus modernisieren

 „Seit Juli 2021 gibt es im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) umfangreiche (nicht rückzuzahlende) Zuschüsse für nachhaltige und energieeffiziente Sanierungen. Mein spezieller Tipp für ein solches Vorhaben: Es empfiehlt sich einen Energieeffizienz-Experten hinzuzuziehen und sich von diesem über mögliche Fördergelder informieren zu lassen. Wenn dieser beispielsweise einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellt, gibt es weitere fünf Prozent Zuschuss on top.“

Expertentipp Sandra Weber, Franz Hahn Immobilien

Sandra Weber. Foto: Franz Hahn Immobilien

#2 Den Radius erweitern

 „Für Immobilieninteressierte bieten sich vor allem in ländlichen Gebieten weiterhin Möglichkeiten. Sie können zum Beispiel ein großes Siedlungs- oder ein Bauernhaus mit Einliegerwohnung kaufen. Die Miete für die Wohnung hilft bei der Finanzierung. Ebenso bieten Mehrgenerationenkonzepte in größeren ländlichen Gebäuden Chancen auf bezahlbares Wohnen.“

Expertentipp Dr. Elisabeth Holder, Immobilien Dr. Holder

Weitere Infos zu Immobilienpreisen erhältst Du hier.

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