Reutlinger General-Anzeiger
Tiny House
Tiny House-Bauer Fabian Rapp. Foto: all

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Tiny Houses – Lebensstil ohne Limits

Skaten, Ski & Surfen: Fabian mag Sport, der Geschwindigkeit, Präzision und Courage verlangt. Auch beruflich wagt er etwas: Im Januar hat er sein Tiny House Unternehmen gegründet.

Fabian Rapp lebt nach dem Motto: „Unabhängig sein schließt nicht aus, dass man etwas Sinnvolles macht“. Seit Anfang des Jahres ist der leidenschaftliche Skater sein eigener Chef. Er baut Tiny Houses. Sein Unternehmen heißt „Nest-Houses“, weil in dem Namen auch die Idee vom eigenen, unverwechselbaren Zuhause steckt. Und zwar von einem, das man überall mit hinnehmen kann.

Am liebsten flexibel wohnen

Die Minihäuser sind weit mehr für ihn als nur ein Geschäftszweig, mit dem man gut Geld verdienen kann. „Ich überlege mir selbst: Wie will ich wohnen? Die klassische Variante mit Eigenheim und Sesshaftigkeit gefällt mir überhaupt nicht. Viel zu limitierend“, findet Fabian.

Lieber offen sein für Neues, das Potenzial der Veränderung nutzen – das sind seine Koordinaten. „Ich denke, ich werde sicher nicht immer an meinem jetzigen Wohnort Dettingen bleiben. Irgendwann ziehe ich woanders hin“, sagt er. Vielleicht in den Vorarlberg, wo es gute Ski- und Snowboardpisten gibt. Oder auch ans Meer? Das zeigt sich, wenn’s soweit ist. Um flexibel zu sein, hat er sein Grundstück in Dettingen nur gepachtet. „Damit ist man enorm flexibel, und für den Eigentümer hat es den Vorteil, dass man das Grundstück nahezu unberührt wieder zurückgibt“. Und noch etwas ist ihm wichtig: Beim Pachten werden keine Flächen versiegelt – die Natur bleibt weitgehend geschont.

Tiny House
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Ökologie spielt eine große Rolle

„Tiny House – Liebhaber sind Freiheit liebende Menschen“ – den Satz könnte Fabian für sich unterschreiben. Ökologie spielt aber eine mindestens ebenso wichtige Rolle. In seinen Tiny Houses verbaut er daher ausschließlich  ökologische Materialien. Nicht immer eine einfache Aufgabe: Die natürlichen Dämmstoffe wie Schurwolle oder Holzwolle sind schwerer als konventionelle Glaswolle. Das heißt, man muss beim Gewicht ganz schön aufpassen. Ein Tiny House darf laut Straßenverkehrsordnung nicht mehr als 3, 5 Tonnen auf die Waage bringen.

Tiny Houses sind Unikate

Aber gerade was knifflig ist, macht Spaß. Zu den coolen Denksportaufgaben zählt auch das Entwerfen der Grundrisse. „Bei  einem so kleinen Haus muss die Raumaufteilung besser durchdacht sein als bei einem großen“, betont Fabian. Denn alle Lebensbereiche auf rund 20 Quadratmetern unterzubringen, erfordert clevere Strategien. Dazu kommen die individuellen Wünsche der künftigen Bewohner. Fabian: „Da jeder Kunde eigene Bedürfnisse hat, wird auch jedes Haus anders“.

Klare Entscheidung für Holz

Der Weg bis zum eigenen Unternehmen ging über eine Zimmermannsausbildung. „Arbeiten mit Holz ist schon lang mein Ding“, sagt der 25-Jährige. Allerdings: das Bauen von Dachstühlen war ihm auf die Dauer zu technisiert. „Man hat mehr mit Montage als mit dem realen Werkstoff zu tun“. Deshalb 2016  ein  klarer Schnitt: Er wechselte vom konventionellen Holzbau zu einem Spielplatzbauer. Denn hier gab es mehr Entfaltungsmöglichkeiten für ihn – und die Zeit, zu schauen, was wirklich wichtig ist.

Tiny House
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Noch eine klare Entscheidung: Tiny Houses bauen

Und das hat er gefunden:  Auf dem Gelände seines letzten Arbeitgebers hat er letztes Jahr zum ersten Mal ein Tiny House gebaut. Das war wie eine Initialzündung.  „Mir war schon lange klar, dass mein Weg irgendwann in die Selbstständigkeit führt. Aber ab jetzt wusste ich: Tiny Houses bauen passt exakt zu mir.“ Das erste Modell ist sein eigenes Zuhause geworden. Zusammen mit seiner Frau Kira  wohnt er seit 2019  in seinem Tiny Nest in Dettingen und genießt den Reiz des Downsizings. „Man hat einen viel näheren Kontakt zur Natur“, unterstreicht er.

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Die Tiny House-Produktion rollt an

Seit Januar hat der junge Unternehmer seine Werkstatt in einer großen Gewerbehalle in Hohenstein/Ödenwaldstetten. Gerade baut er dort das zweite Tiny House für einen Kunden. Der Rohbau ist wie immer aus Holz: Stabil gezimmerte Wände auf einem Fahrzeuganhänger.  Es wird mal 22 Quadratmeter Wohnfläche haben und mit einer breiten Terrassentür ausgestattet sein. Wenn es fertig ist, kommt das nächste dran. Über seine Social Media-Kanäle laufen etliche Anfragen.

Tiny Houses bräuchten neue Regeln

„Der Markt ist da“, weiß Fabian, und betont: „Wir haben in Deutschland Millionen freie Baulücken“. Wenn davon viele an Tiny House-Fans verpachtet würden, könnte man ne ganze Menge für die Umwelt tun. Bis dahin müssten sich zwar das Baurecht noch ein paar neue Regeln auflegen. Bislang hinkt die Bürokratie den Anforderungen des neuen Gebäudetrends hinterher. „Aber Trends sind schließlich da, um Veränderungen anzustoßen“, ist er sicher.

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