Reutlinger General-Anzeiger
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Sonnenenergie gilt als perfekter Kombipartner für intelligente Heizsysteme. Foto: Solarimo / pixabay.com

Energie & Umwelt

Heizen & Klima schützen

Baden-Württemberg soll so schnell wie möglich klimaneutral werden. Klimaschutzexperte Dr. Uli F. Hasert informiert über Technologien, die dabei im Fokus stehen.

Klimneutralittät – dieses Ziel steht ganz oben auf der Agenda der noch jungen Landesregierung von Baden-Württemberg. Mit möglichen Folgen für uns alle. Denn: Noch mehr Klimaschutz bedeutet nicht nur, dass Elektromobilität und Solarkraft gefördert werden. Es heißt vor allem, dass sich Heiztechnik und  Energiemanagement im privaten Wohnumfeld ändern.

Morgen heizen wir anders

Insbesondere zum Thema Heizen werden vermutlich neue Anforderungen auf uns zu kommen. Was manche nicht wissen: Es gibt schon viele Technologien, die klimaschonendes Heizen und Warmwassererzeugung erlauben. Dennoch lohnt es sich, sich genau zu informieren. Dr. Uli Hasert, Geschäftsführer der Reutlinger Klimaschutzagentur, erläutert, welche alternativen Heizsysteme es gibt und welche Vor- beziehungsweise Nachteile diese bergen.

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Dr. Uli Hasert ist Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Reutlingen. Foto: Klimaschutzagentur RT

Stichwort Ölheizung

Obwohl die Ölheizung schon seit Längerem als Klimaschädling Nr. 1 unter den Heizsystemen identifiziert worden ist, gibt es immer noch sehr viele Öl betriebene Kessel in der Region Neckar-Alb. Eine Umstellung auf neue Energieträger wird von der Politik und Umweltschutzvertretern massiv gefordert. „Bisher ging der schnellste Weg über die Brennstoff-Alternative Gas. Doch auch die birgt Nachteile. Denn“, informiert Uli Hasert, „genau wie Öl gehört Gas zu den fossilen Energieträgern“. Und von jenen will sich die Klimaschutzpolitik Ba-Wü bald endgültig verabschieden „Deshalb“, so Hasert, “werden auch hier in der Zukunft durch CO2-Besteuerung die Preise, wie auch beim Heizöl, Diesel oder Benzin, drastisch in die Höhe klettern“.

Gas-Wasserstoff-Hybrid-Technik

Hilfreich sind unter anderem solche Heizsysteme, die zusätzlich zum Gas auch Wasserstoff verbrennen können. Bislang werden zwar nur kleine Mengen Wasserstoff – zwischen 2 und 5 Prozent – beigemengt. Aber die Idee lässt sich ausbauen. Die  ernüchternde Kehrseite der Hydrogen-Technik: „Die Erzeugung von Wasserstoff verbraucht große Mengen an Strom. Ökologisch wird Wasserstoff als Energieträger erst dann, wenn er über Wind- oder Solarstrom hergestellt wird“, gibt der Klimafachmann zu bedenken. Deshalb fördere die Landesregierung in ihrem Regierungsprogramm massiv den Ausbau von Photovoltaiktechnologie. Zum Beispiel über mehr Solarfelder und Windkraftanlagen, welche wohlgemerkt aber auch nicht unbegrenzt realisiert werden könnten!

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Foto: Intelligent heizen_Thilo Ross

Wärmepumpe und PV-Anlage

Als sehr klimaschonend gelten dagegen moderne Wärmepumpen, welche zusätzlich zum eingesetzten Primärenergieträger (bei Kompressionswärmepumpen ist dies Strom) Umgebungs- oder Erdwärme die zur Energiegewinnung nutzen. Ihr Betrieb wird in vielen Fällen von einer Photovoltaikanlage unterstützt. Optimal ist es, wenn sie mit einem Batteriespeicher verbunden ist, der überschüssigen Strom für sonnenarme Tage bevorratet. „Eine effiziente Technologie“, findet Uli Hasert, der unter möglichen Nachteilen vor allem die mangelnde Flexibilität sieht: „Wärmepumpen arbeiten am besten mit Flächenheizungen – und nicht so gut mit klassischen Heizkörper-Systemen“, so Hasert. Schuld daran sei die Vorlauftemperatur, welche Heizkörper benötigten, um überhaupt richtig warm zu werden.

Bis 70 Grad Celsius werden benötigt

„Althergebrachte Heizsysteme mit Heizkörpern brauchen normalerweise mindestens 55-70 Grad Celsius Vorlauftemperatur. Das schafft eine konventionelle Wärmepumpe nur unter Mehreinsatz elektrischer Energie“. Fazit: Wärmepumpen sind nur dann richtig fitte Klimaschützer, wenn sie sogenannte Flächenheizungen, d.h. Boden-, Wand- oder Deckenheizungen mit niedriger Vorlauftemperatur bedienen. Wolle man trotzdem auf die moderne Umwandlungstechnologie einer Wärmepumpe zugreifen, könne man sich mit einer  Zusatzheizung für Gas oder Holz behelfen, um die erwünschten Spitzentemperaturen zu erzeugen.

Foto: Gutbrod Keramik

PV-Technik für erweiterten Komfort

Längst etabliert ist die Stromquelle Sonne. Besonders beim Thema E-Mobilität punktet der Strom vom Hausdach: „Eine PV-Anlage, welche mit einer Wall-Box verbunden ist, macht es möglich, dass wir ohne fossile Energieträger unsere Fahrzeuge antreiben“, so Hasert. Zumal Auto, E-Bike oder E-Scooter komfortabel ihre Ladung an der hauseigenen Tankstation ziehen können. Noch relativ wenig bekannt ist dagegen, dass moderne Autobatterien sogar Strom speichern, der wiederum das Wohngebäude bei entsprechender Systemauslegung versorgt. „Auch das fördert die Autarkie beim Thema Energiemanagement!“, betont Hasert.

Klimaschonend dank Nahwärme

Viele Menschen beschäftigen sich außerdem mit der noch relativ jungen Versorgungsvariante Nahwärme. „Nah“ meint hier nicht „direkt nebenan“, sondern „inmitten eines Wohnquartiers“. Über eine zentrale Wärmerzeugung wird dabei eine Reihe von Haushalten versorgt. „Diese Art der zukünftigen Wärmeversorgung wird durch die Landesregierung ebenfalls stark forciert und so beschäftigen sich immer mehr Kommunen, gemeinsam mit Ihren Stadtwerken, mit einer ‚Quartierslösung‘,“ so Hasert. Einziger Wermutstropfen: Einmal im Nahwärmenetz angeschlossen, sind die Entscheidungsmöglichkeiten über alternative Heiztechniken eingeschränkt. Aber das kann auch Vorteile haben: Keine Probleme mehr mit defekten Heizkesseln, Wartung und Modernisierungsdruck und oft mehr Platz im Keller! Infos über geplante Nah-Wärme-Projekte gibt es normalerweise in den Kommunalverwaltungen.

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