Reutlinger General-Anzeiger
PV-Anlagen
Gutes Signal für die Solarbranche: Mit der Abschaffung des 52-GW-Deckels bleiben Photovoltaikanlagen weiter attraktiv. Foto: schropferoval/pixabay.com

Energie & Umwelt

Stromvergütung – ein bisschen mehr als nix

Der umstrittene 52-Gigawatt-Deckel ist abgeschafft worden. Das Gute daran: Auch künftig gibt’s eine Stromvergütung. Das Schlechte: Unterm Strich ist’s wenig Geld.

Photovoltaik-Anlagen gelten als verlässlicher Part unter den erneuerbaren Energiesystemen. Vor gut zehn Jahren haben sie Bauherren eine solide Einnahmequelle garantiert. Wenn Du Dich für die regenerative Stromerzeugung entschieden hattest, konntest Du sie mit der Einspeisevergütung gegenfinanzieren. Mehr noch: Nach der Amortisierungsphase der PV-Anlagen konnte man sogar noch Gewinn machen. Jedoch sind die Vergütungssätze seit 2010 drastisch gesunken. 2013 hast Du noch durchschnittlich 17 Cent Euro pro Kilowattstunde erhalten, heute sind es nur noch knapp neun Cent.

EEG-Vergütung für PV-Strom nach Datum der Inbetriebnahme des Kraftwerks, mittlere Vergütung in den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur, Strompreise und durchschnittliche Vergütung für PV-Strom, Daten [BMWi1], [BDEW6]. Foto: Fraunhofer ISE

Stehen PV-Anlagen vor dem Aus?

Zusätzlich legte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)  eine Obergrenze für das bundesweite Gesamtvolumen des regenerativ erzeugten Stroms fest: der 52-Gigawatt-Deckel. Diese Grenze regelte, dass ab einer Gesamtleistung von 52 Gigawatt keine Einspeisevergütung mehr ausgezahlt würde.

Der Bundestag schafft Fakten

Für Bauherren, die in Photovoltaik investieren wollten, ein unwägbares Risiko. Doch die Sorge ist nun vom Tisch: Am 18. Juni 2020 hat der Bundestag im Rahmen seines neuen Gebäudeenergiegesetzes die Abschaffung des 52-GW-Deckels beschlossen. Am 3. Juli 2020 hat der Bundesrat diese Entscheidung bestätigt. Seit da haben Betreiber von neuen PV-Anlagen bis zu 750 Kilowatt Leistung wieder Planungssicherheit: Sie können vorerst weiter mit der Einspeisevergütung rechnen.

PV-Anlagen-Obulus von jedermann

Eine weitere Neuerung aus Berlin betrifft die EEG-Umlage. Sie ist der Beitrag, den alle Stromverbraucher für die Förderung von PV-Strom zahlen. Denn das, was PV-Anlagen-Betreiber an Vergütung bekommen, wird von den Netzbetreibern auf alle Nutzer umgelegt. Für Dich heißt das, dass Du zurzeit 6,7 Cent auf jede Kilowattstunde drauflegst. Denn so hoch ist der aktuelle Betrag der EEG-Umlage.

EEG-Umlage auf dem Prüfstand

Laut Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg plant die Bundesregierung nun eine leichte Senkung der Umlage. „Die EEG-Umlage wird im Jahr 2021 bei 6,5 Cent und im Jahr 2022 bei 6,0 Cent pro Kilowattstunde liegen“, heißt es vom Fachverband. Für Dich als Verbraucher macht sich der Unterschied aber leider nur wenig bemerkbar. Ein Beispiel: Wenn ein Vier-Personen-Haushalt im Jahr 5.000 Kilowatt Strom verbraucht, zahlt er im Moment 335 Euro Umlage. Ab 2022 sind es immerhin noch 300 Euro.

Lohnen sich PV-Anlagen noch?

Eine Alternative für alle, die wirklich Geld sparen wollen, besteht laut Energie-Fachleuten in der Selbstversorgung. Das klingt vielleicht ein bisschen simpel. Ist es aber nicht. Denn wenn Du heute eine PV-Anlage installierst, die Du vor allem für Deinen eigenen Verbrauch nutzt, kannst Du rund 30 Cent pro Kilowattstunde sparen. So viel kostet nämlich zurzeit der Strom aus dem Netz. Also wenn Du künftig vom Wasserkocher bis zum Elektroauto alles selbst “betanken” willst, ist PV-Technik weiter eine interessante Option. Entscheiden musst Du selbst. Lies dazu auch unser Interview mit den Fachleuten der Elektroinnung Reutlingen.   

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