Reutlinger General-Anzeiger
Regenwasser ist denkbar einfach.
Gut gerüstet gegen die Trockenheit - Regenwasser aus dem Tank. ZVSHK Fotos IgorE. Atamenko123rf

Energie & Umwelt

Regenwasser nutzen – gut für die Umwelt

Das kühle Nass von oben hat viel mehr zu bieten, als Du unterm Schirm vielleicht vermutest. Du kannst es mit geringem Aufwand auch im Haus nutzen.

Die Klimaveränderung ist mittlerweile kein Begriff mehr fürs Nachtprogramm. Jeder redet davon, viele machen sich Gedanken über ihr eigenes Umweltverhalten. Zum Beispiel, wenn es im Sommer mal wieder so trocken wird, dass Blumen und Rasen darben. Dein Garten wird zum Pflegekind – und plötzlich kommt das Nass von oben in zu großen Mengen. Abhilfe kann deine private Regenwasser-Nutzung schaffen. Wie Du Niederschlagswasser nutzen kannst, erklärt Dir Joachim Stenzel, Obermeister der Reutlinger Innung für Sanitär, Heizung und Klima.

Anke: Was empfehlen Sie umweltbewussten Hauseigentümern?

Joachim Stenzel: Die Regenwassernutzung ist auf jeden Fall eine gute Idee. Sie spart im Sommer aufwendig aufbereitetes Trinkwasser und hilft bei der Vorsorge gegen Hochwasser. Denn private Regenwasser-Reservoires wirken wie Puffer, die große Starkregen-Mengen bündeln. Das entlastet die Kanalkapazitäten im Herbst.

Welche technischen Voraussetzungen sind nötig?

Man braucht zunächst einen Tank aus Beton oder Kunststoff. Dieser sollte in die Erde eingegraben werden, damit das Wasser kühl bleibt. Außerdem sollte die Dachfläche für das Sammeln geeignet sein.

Was muss man besonders beachten?

Das Material! Metalldächer eignen sich zum Beispiel nur begrenzt. So haben Kupferdächer die Eigenschaft, Kupferionen abzugeben, wenn das Wasser sauer ist. Und hier in der Region Neckar-Alb haben wir saures Wasser. Die Kupferionen können den Gartenpflanzen schaden und auch später in der Kläranlage für Probleme sorgen. Hier hilft dann nur ein Spezialfilter. Ich empfehle jedem, der eine Vorrichtung für die Regenwassernutzung einbauen möchte, sich vorher beim Gewässeramt seiner Stadt zu erkundigen, inwieweit ein Filter sogar vorgeschrieben ist.

Wie groß sollte der Regenwasser-Tank sein?

Das kommt natürlich auf die Wassermenge an, die hineinfließt. Wenn ein Fachmann hinzugezogen wird, errechnet er die Tank-Kapazität anhand der Dachgröße und der durchschnittlichen Regenbilanz in der jeweiligen Region. Ein Beispiel: In Stuttgart bauen wir gerade eine Anlage für eine Dachfläche von 300 Quadratmetern mit einem Tank, der 10 000 Liter fasst. Die Regenmenge kann dort bis zu 850 Liter pro Hektar und Sekunde umfassen.

ZVSHK Foto Rheinzink Txn Regenwassernutzung
Wenn Du Dein Regenwasser im Haus nutzen willst, musst Du in ein spezielles Rohrsystem investieren. Foto: ZVSHK Foto Rheinzink Txn

Was brauche ich noch an Technik?

Eine Pumpe, die das Wasser nach oben transportiert und ein autarkes Rohrsystem.

Reichen normale Wasserrohre für das Regenwasser nicht aus?

Man braucht Extra-Rohre, in denen das Wasser fließt, um Hygienestandards zu entsprechen. Wasser, das vom Dach kommt, ist nicht unbedingt keimfrei. Oft finden sich Schwebeteile und Vogelkot darin. Das ist ganz normal. Aus diesem Grund sollte man es auch auf keinen Fall als Trinkwasser verwenden. Wer es neben dem Blumengießen auch als Brauchwasser im Haus nutzen möchte, sollte es allerdings nur sein WC damit spülen.

Wäschewaschen müsste doch auch gehen, oder?

Davon rate ich eher ab. Zumal sich Keime erst ab 60 Grad Celsius abtöten lassen, bei 30 oder 40 Grad Celsius bleiben sie im Wasser und dringen in die Wäsche ein. Es sei denn, man investiert in eine spezielle Waschmaschine, die bei niedrigen Temperaturen auf Trinkwasser zurückgreift. Diese High Tech Maschinen bedienen sich eines so genannten “freien Auslaufes” mit Magnetventil, welches bei Bedarf die Leitung öffnet.

Wie weit lohnt sich die Investition finanziell für den Verbraucher?

Etwas Geld sparen kann man natürlich auch. Wie viel, ist je nach Nutzung verschieden. Dazu sollte man zunächst bedenken: Auch Regenwasser verursacht Abwassergebühren, man braucht also an Toilette oder Waschmaschine einen Wasserzähler. Die Technik muss von Sanitärfachleuten eingebaut werden. Das heißt, für Material und Einbau sollte man insgesamt um die 5 000 Euro rechnen. Folgekosten ergeben sich danach eigentlich nur noch durch die Wartung und Reinigung. Ich denke man muss das Thema ganzheitlich, im Sinne des Umweltschutzes, sehen. Denken Sie beispielsweise an die Hochwasserprobleme der vergangenen Jahre in Reutlingen, Betzingen, Pfullingen und der gesamten Region. Wenn viele diese Technik hätten, würden wir von der Pufferwirkung der Speicher sicher sehr profitieren.

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