Reutlinger General-Anzeiger
Solarstrom
Elektro-Obermeister Rüdiger Hofmann und sein Stellvertreter Andreas Leibfarth (v.re.): "PV-Anlagen rentieren sich vor allem für den Eigenverbrauch." Foto: Hofmann/Leibfarth

Energie & Umwelt

“Der Photovoltaik-Markt wäre eingebrochen”

Die Deckelung für regenerativ erzeugten Strom ist weg – Rüdiger Hofmann & Andreas Leibfarth informieren über die Folgen für Verbraucher und Umwelt.

Mitte Juni hat der Gesetzgeber die Abschaffung des 52-GW-Deckels beschlossen. Das bedeutet in aller Kürze, dass auch weiterhin die Einspeisevergütung für selbst erzeugten Solarstrom gezahlt wird. Für Rüdiger Hofmann und Andreas Leibfarth, Obermeister und stellvertretender Obermeister der Elektroinnung Reutlingen, ist das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – allerdings nicht der einzige. Im Interview sprechen sie über alternative Möglichkeiten, die eigene PV-Anlage lukrativ zu nutzen.

Welche Folgen hätte ein Fortbestand des 52 GW-Deckels gehabt?

Rüdiger Hofmann: Die erste Folge wäre, dass es keine Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen mehr gäbe. Ich bin sicher, dass damit der Photovoltaik-Markt eingebrochen wäre. Denn ab dem Moment hätte wohl kaum jemand mehr eine PV-Anlage einbauen lassen. Für die Umwelt ist es auf jeden Fall die richtige Entscheidung: Je mehr PV-Anlagen auf den Dächern sind, desto weniger fossile Energien brauchen wir.

Was bedeutet die Entscheidung konkret für den Solarstrom?

Rüdiger Hofmann: Der Erhalt der Einspeisevergütung hat vor allem psychologische Folgen: Wenn weiter Geld für selbst erzeugten Strom gezahlt wird, unterstützt das die Motivation der Leute, auch künftig in PV-Anlage zu investieren.

Die Photovoltaik bleibt weiter auf Kurs. Foto: pr

Wie hoch ist die aktuelle Einspeisevergütung?

Rüdiger Hofmann: Als Einspeisevergütung gibt es bei Anlagen, die im Juni in Betrieb gehen und kleiner 10 kWp sind, 9,57 Cent für die Kilowattstunde (kWh). Stromverbraucher zahlen circa 30 Cent pro kWh aus dem Stromnetz. Der hohe Preis erklärt sich unter anderem durch die EEG-Umlage, die allerdings in Kürze etwas gesenkt werden soll.

Wie lange zahlen die Netzbetreiber die Vergütung?

Rüdiger Hofmann: Es ist immer der Rest des Jahres der Inbetriebnahme + 20 Jahre. Jedoch muss man bedenken, dass sich die kleinen privaten Anlagen heute mehrheitlich aus dem Eigenverbrauch finanzieren. Jede Kilowattstunde selbst erzeugter Strom ist finanziell interessant für den Betreiber. Er spart immerhin 30 Cent pro kWh und damit amortisiert sich die PV-Anlage  relativ schnell.

Andreas Leibfarth: Zurzeit  lohnt es sich für den Besitzer einer kleinen PV-Anlage eher nicht, seinen Strom ausschließlich ins Netz einzuspeisen. Da er für seinen persönlichen Bedarf Strom kaufen müsste, der sehr viel mehr kostet als seine erwirtschaftete Vergütung, wäre das ein Minusgeschäft. Dagegen sind PV-Anlagen, die man für den Eigenbedarf nutzt, eine wirtschaftlich interessante Investition!

Wann kann man von der Einspeisevergütung profitieren?

Rüdiger Hofmann: Wenn PV-Anlagenbesitzer über ihren Bedarf hinaus produzieren, wird der überschüssige Strom ins Netz eingespeist und vergütet.

Worauf sollte ich bei Solarstrom besonders achten?

Andreas Leibfarth: Heute legt man die Anlagen nur noch für den voraussichtlichen Stromverbrauch aus. Deshalb sollte sie richtig dimensioniert sein. Sie sollte außerdem fähig sein, den Verbrauch intelligent zu steuern, so dass man einen optimalen Eigenverbrauch erhält.

Wie kann ich Geldbeutel und Umwelt noch schonen?

Rüdiger Hofmann: In Zeiten, wo es noch eine hohe Einspeisevergütung gab, wurden relativ große Anlagen auf die Dächer gebaut. Heute konzentriert man sich auf den voraussichtlichen Energiebedarf, immer öfter kommt auch eine Wärmepumpe für die Heizungsanlage in Betracht, damit kann man den Eigenverbrauch ebenfalls erhöhen. In der Gesamtbilanz kann ich sogar noch mehr Geld sparen. Wenn ich zum Beispiel ein Elektroauto habe, kann ich es direkt von meinem Dach aus tanken.

Andreas Leibfarth: Die Kosten für eine PV-Anlage sind bei weitem nicht mehr so hoch wie früher. Das heißt, die Anlagen sind durchaus rentabel und sind bei Neubauten schon fast Standard. Auch bei Bestandsbauten ist es eine sinnvolle Investition, bei Heizungserneuerung kann man die PV-Anlage bei der EnEV Sanierungspflicht mit berücksichtigen.

Fragen: all

Jetzt weiterlesen
Auch interessant
Bauprojekte

Bauen

Bauprojekte in Pfullingen

In der Reutlinger Nachbarstadt Pfullingen sind Wohnungen begehrt. Unser Überblick über aktuelle Bauvorhaben zeigt Dir, wo es bald neuen Wohnraum gibt.
Pfullingen

Bauen

Mehr Raum für bezahlbare Mieten

Hast Du das Gefühl, Mietwohnungen sind zu teuer? In Pfullingen versucht die Stadtplanung, den Markt zugunsten günstigerer Mieten zu lenken.
Baurisiko

Bauen

Versteckte Risiken im Bauvertrag!

Oft zahlen Bauherren wegen unklarer Vertragsdetails mehr, als sie am Anfang gedacht haben. Hier die wichtigsten Punkte, auf die Du achten solltest.
GEA Publishing Reutlinger Wochenblatt
© GEA Publishing und Media Services GmbH + Co KG 2020