Reutlinger General-Anzeiger
Baukindergeld
Können auch Familien, die erst 2021 bauen oder eine Immobilie kaufen wollen, Baukindergeld beantragen? Foto: robert kneschke/stock.adobe.com

Finanzieren

Baukindergeld nur für kurz Entschlossene?

Baukindergeld gibt es nur, wenn Ihr Euer neues Zuhause bis 31.12.2020 erworben habt oder baut. Wie stehen die Chancen für eine Frist-Verlängerung?

Seit gut zwei Jahren haben junge Familien Anspruch auf das Baukindergeld. Bis zu 12.000 Euro pro Kind gibt es vom Staat für selbst erworbenen Wohnraum. Aber: Was passiert nach 2020? Kannst Du dann beim Hauskauf noch mit dem staatlichen Zuschuss rechnen?

Die Frage ist berechtigt. Denn die Bewilligung des Baukindergeldes ist an enge Fristen gekoppelt. Die wichtigste Frist betrifft den Erwerb oder Bau Deiner Immobilie: Du musst Dein neues Zuhause spätestens bis Ende 2020 gekauft haben. Oder Du musst bis dahin eine Baugenehmigung vorlegen, um Deinen Anspruch geltend zu machen. Allerdings hast Du im Anschluss daran wieder Zeit. Zumal Du den Antrag bis 2023 stellen kannst. Daraus ergibt sich eigentlich eine klare Schlussfolgerung: Kaufst Du ein Haus erst am 1.1.2021, steht Dir leider kein Baukindergeld zu.

Der Fördertopf ist gut gefüllt

Jedoch könnte es  auch anders kommen. Denn neben den Fristen zu Hauskauf und Antragsstellung wurde 2018 vom Bundestag auch die Höhe der Fördersumme beschlossen. 9,9 Milliarden Euro wurden für das gesamte Projekt eingeplant. Aber die bisher bewilligten Anträge reichen bei weitem nicht aus, um die 9,9 Milliarden Euro komplett zu verteilen. Von daher kannst Du Dich zu Recht fragen: Könnte man die Fristen vielleicht über 2020 hinaus verlängern? Und kann ich 2021 ein Haus oder eine Wohnung erwerben und dafür noch Baukindergeld beantragen?

Doch zuerst ein paar Fakten: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist verwaltendes Organ des Fördertopfes. Sie  bearbeitet die Anträge, spricht Zusagen aus und bewilligt Gelder. Von ihr kommen die aktuellen Zahlen rund ums Familien-Fördergeld (Stand Juni 2020).

233.000 Familien haben Baukindergeld beantragt

Demnach sind von den rund zehn Milliarden Euro bislang nur 4, 86 Milliarden Baukindergeld vergeben worden. Die Summe setzt sich nicht nur aus bewilligten Fördergeldern zusammen. Sondern sie umfasst auch reservierte Beträge. „Sobald jemand einen Antrag stellt, wird das Baukindergeld für ihn reserviert“, erläutert Alia Begisheva, stellvertretende Pressesprecherin der KfW. Bisher wurden 232.803 Anträge gestellt. „In der Regel werden nahezu alle bewilligt. Voraussetzung ist, dass sie die Förderbedingungen erfüllen“, sagt Alia Begisheva. Folglich werden mit den 4,86 Milliarden Euro im Moment 405.000 Kinder gefördert.

Zeitpunkt Anträge Kinder Baukindergeld
(bewilligt o. reserviert)
06 / 2020 232.803 405.000 4,86 Milliarden Euro
01 / 2020 185.000 333.333 4 Milliarden Euro
09 / 2019 135.000 233.333 2,8 Milliarden Euro
06 / 2019 112.265 191.666 2,3 Milliarden Euro

Quelle Daten: KfW

Wenn man das bisher verbrauchte Geld abzieht, müssten noch 5, 04 Milliarden Euro Fördergeld übrig sein. Wenn diese 5,04 Milliarden dauerhaft für neue Baufamilien zur Verfügung stehen würden, könnte noch 247.058 Mal Baukindergeld beantragt werden. Diese Menge ergibt sich dann, wenn man von durchschnittlich 1,7 Kinder pro Familie ausgeht (derzeitiger Bundesdurchschnitt). Allerdings ist im Moment noch völlig unklar, ob bis zum 31. Dezember rund 250.000 Familien ein Haus kaufen oder bauen. Wenn man die Antragsentwicklung seit 2018 anschaut, scheint das eher unwahrscheinlich.

Das BMI zum Baukindergeld

Wie es nun nach 2020 mit dem Baukindergeld weitergeht, beantwortet am besten das Bundesministerium des Inneren. Denn es bestimmt als Bundesbehörde die politische Wegrichtung für die Familienförderung. Auf Nachfrage erklärt die Pressestelle des BMI: “Eine grundsätzliche Verlängerung des Förderzeitraumes ist derzeit nicht vorgesehen. Aufgrund gegebenenfalls pandemiebedingter Verzögerungen bei der Erteilung von Baugenehmigungen wird jedoch geprüft, welche Möglichkeiten in Bezug auf Fristverlängerung bestehen.”
Heißt im Klartext: Nein, es gibt nach 2020 leider keine Fristverlängerung für alle. Nur wenn Du baust und Deine Baugenehmigung wegen Corona auf sich warten lässt, kannst Du eventuell mit einer Verlängerung rechnen.

Info

Auch wenn nicht mehr viel Zeit bleibt, lohnt sich ein Antrag für junge Häuslesbauer und -käufer immer noch. Informier Dich hier über die Voraussetzungen, die Dein Antrag erfüllen muss:

  •  Kauf oder Bau einer selbstgenutzten Immobilie im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 (Datum Kaufvertrag bzw. Baugenehmigung).
  • Antragstellung nach dem Einzug, spätestens nach sechs Monaten. Der letztmögliche Antragstermin ist am 31. Dezember 2023.
  • Jährlicher Zuschuss von 1.200 Euro für Familien pro Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren.
  • Einkommensgrenze: Haushaltseinkommen bei einer Familie mit einem Kind von maximal 90.000 Euro pro Jahr und zusätzlich 15.000 Euro für jedes weitere Kind.
  • Als Kinder im Sinne der Regelung gelten Kinder unter 18 Jahren, für die Kindergeldanspruch besteht und die ihren Hauptwohnsitz im Haushalt haben.
  • Kein Wohneigentum im Zeitpunkt der baurechtlichen Genehmigung oder des notariellen Kaufvertrags
  • Für Neubau oder Kauf – nicht für Sanierung, An- oder Umbau – all
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