Reutlinger General-Anzeiger
fristlose Kündigung
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Recht

Fristlose Kündigung

Von jetzt auf gleich den Mietvertrag kündigen – geht das? Lies hier die Tipps von unserem Rechtsexperten Dr. Ronald in der Stroth.

Das Mietrecht bietet zwar klare Regeln, aber die Praxis sieht oft komplizierter aus. Damit eine fristlose Kündigung des Mietvertrags wirksam wird, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Auch die Corona Pandemie hat Auswirkungen auf die Kündigungsregelungen.

1. Fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzugs

Wenn die Miete nicht gezahlt wird, hat der Vermieter das Recht, das Mietverhältnis fristlos zu kündigen. Dies allerdings erst, wenn der Mieter für zwei aufeinanderfolgende Termine mit der Entrichtung des Mietzinses oder eines nicht unerheblichen Teils der Miete in Verzug ist. Eine fristlose Kündigung kann allerdings auch solchen Mietern ins Haus stehen, die über längere Zeit zu wenig Miete zahlen oder ihre Mietzahlung hin und wieder „vergessen“. Hier gilt folgende Regelung: Wer über zwei Monate und mehr in Zahlungsverzug ist und dabei seinem Vermieter den Betrag von mindestens zwei Monatsmieten schuldet, kann fristlos gekündigt werden.

Kombi-Lösung: Die fristlose Kündigung des Mietverhältnisses wird üblicherweise mit einer fristgerechten Kündigung kombiniert. Denn, wenn der Mieter seine Rückstände doch noch bezahlt, wird die fristlose Kündigung nachträglich unwirksam. Das heißt aber nicht, dass damit das Thema vom Tisch ist. Schließlich hat der Vermieter ja noch die fristgerechte Kündigung in der Hand. Diese kann er jetzt einfach weiterverfolgen.

2. Corona-Änderungen

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Situation bei einem Zahlungsverzug des Mieters. Vom 1. April bis zum 3. Juni 2020 gilt: Der Vermieter kann ein Mietverhältnis nicht allein aus dem Grund kündigen, dass der Mieter die Miete nicht leistet. Vorausgesetzter Grund für den Zahlungsausfall liegt in der Covid-19 Pandemie. Diesen Grund muss der Mieter glaubhaft machen. Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni 2020 müssen bis zum 30. Juni 2022 beglichen werden, sonst kann den Mietern wieder gekündigt werden.

3. Fristlose Kündigung wegen Fehlverhaltens

Was ist Fehlverhalten? Etwa, wenn man die Kehrwoche vergessen hat? Oder wenn man seine Schuhe vor der Wohnungstür abstellt? Der Begriff ist dehnbar. Vieles, was andere stört, wird aber schon durch den Mietvertrag geregelt. Insofern gibt es hier wenig Raum für Missverständnisse. Anders sieht es aus, wenn es um inakzeptables Sozialverhalten geht. Zum Beispiel wenn man seinen Vermieter beleidigt oder bedroht. Dann ist es wichtig, eine außenstehende Instanz zurate zu ziehen. In diesem Falle empfiehlt es sich immer, die Frage der Möglichkeit der Beendigung des Mietverhältnisses durch einen Rechtsanwalt prüfen zu lassen. Zu beachten ist insbesondere, dass bei einem Fehlverhalten des Mieters und einer daraus folgenden fristlosen Kündigung des Mietverhältnisses zuvor eine oder mehrere Abmahnungen notwendig sind.

Möchtest Du weitere Tipps zum Thema Mietrecht lesen? Dann schau Dich auf unserer Rechtsseite um.

Quelle: Dr. R. in der Stroth/all

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