Reutlinger General-Anzeiger
Wer wo und wie oft grillen darf, lässt sich pauschal nicht sagen. Ein Blick in den Mietvertrag oder in die Hausordnung gibt aber Sicherheit. | Foto: Skitterphoto/pixabay.com

Recht

Ungestörter Grillgenuss

Grillen macht Riesenspaß, ist aber selbst im Eigenheim nicht immer erlaubt. Anke erklärt, warum sich im Zweifel ein Blick in die Hausordnung lohnt.

Wie oft Grillen ist eigentlich erlaubt?

Eines gleich vornweg: Ein „Recht auf Grillen“ im strengen Sinne gibt es in Deutschland nicht – weder für Mietwohnungen noch im Eigenheim. Stattdessen finden wir im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) eine Reihe von Rechten und Pflichten rund um das Miteinander in der Nachbarschaft. Für das Grillen besonders wichtig ist dabei § 906 BGB, der sich mit möglichen Störfaktoren wie Lärm, Gerüchen und Rauch beschäftigt.

Dieser Paragraf gibt vor, dass Nachbarn damit leben müssen, wenn hin und wieder Grillgeruch und vielleicht auch ein bisschen Rauch zu ihnen herüberweht. Der Knackpunkt dabei: Ganz gleich, ob wir auf dem Balkon grillen, im Garten oder in der Outdoorküche – wir dürfen damit die Nutzung der angrenzenden Grundstücke und Wohneinheiten nicht wesentlich beeinträchtigen.

Aber ab welchem Punkt wird der eigene Grillgenuss zur Zumutung für die Nachbarn?

Bei dieser Frage wird’s ein bisschen knifflig. Klare rechtliche Vorgaben dazu, wie oft und wie ausgiebig gegrillt werden darf, gibt es nicht. Selbst die Gerichtsurteile, die zu diesem Thema gern zitiert werden, fallen sehr verschieden aus. Mal erlaubte das Gericht einmal Grillen im Monat, mal waren zwei Grillabende drin oder insgesamt fünf pro Jahr.

Ganz allgemein können wir also nur eines festhalten: Grillen im Garten und auf dem Balkon ist von Seiten des Gesetzgebers nicht verboten. Ob es im konkreten Einzelfall erlaubt ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Warum sich ein Blick in die Hausordnung lohnt

Dass Grillen auf dem Balkon oder im Garten grundsätzlich nicht verboten ist, muss nicht unbedingt heißen, dass es in Deinem Haus tatsächlich erlaubt ist. Falls das Grillen in Deinem Mietvertrag oder in der Hausordnung verboten ist, gilt nämlich diese Regelung. Verstößt Du dagegen, kann Dein Vermieter Dir dafür sogar den Mietvertrag kündigen. Bevor Du den Grill aufbaust, wirfst Du daher besser einen Blick in Deine Unterlagen.

Übrigens sind auch Wohnungseigentümer im Mehrfamilienhaus an die Hausordnung gebunden. Die soll schließlich dazu dienen, das Zusammenleben im Alltag so harmonisch wie möglich zu gestalten. Aus diesem Grund verpflichten sich alle Mitglieder der Eigentümergemeinschaft zur Einhaltung der gemeinsam vereinbarten Regeln. Und das bedeutet, dass auch für den Balkon oder die Terrasse einer Eigentumswohnung ein rechtskräftiges Grillverbot gelten kann.

Rücksichtsloses Verhalten ist ein No-Go

Wenn es unter Nachbarn Streit ums Grillen auf dem Balkon oder auf der Terrasse gibt, entzündet sich die Sache nämlich meistens an rücksichtlosem Verhalten – daran, dass entweder Rauch in fremde Wohnungen zieht oder nach Einbruch der Dunkelheit in voller Lautstärke weitergefeiert wird. Damit es gar nicht erst so weit kommt, ist es ratsam, Rauch und Lärm genau im Blick zu behalten.

Der häufigste Grund für Streit ums Grillen ist der gute alte Holzkohlegrill: Zieht der Rauch in fremde Wohnungen, ist Ärger vorprogrammiert. | Foto: Dina/unsplash.com

Den Rauch kannst Du mit einem Elektrogrill leicht umgehen – der qualmt nämlich gar nicht. Und als Erinnerung an den Beginn der Nachtruhe stellst Du Dir ganz easy auf dem Smartphone einen Alarm. Wenn Du intelligente Lampen nutzt, kannst Du alternativ auch Außenbeleuchtung so einstellen, dass Punkt 22.00 Uhr automatisch das Licht auf dem Balkon oder der Terrasse gedimmt wird. Das ist dann Dein kleiner Reminder, dass es an der Zeit ist, die Party ins Haus zu verlagern.

Ankes Tipp

Keine Frage: Das Grillen über dem Holz- oder Kohlefeuer macht nicht nur Spaß, sondern verleiht dem Gegrillten auch einen ganz charakteristischen Geschmack. Allerdings setzt sich Holzrauch auch schnell in Textilien fest und lässt sich nur mit viel Geduld wieder herauslüften. Wenn Du auf ein klassisches Grillfeuer schwörst, schließt Du daher am besten nicht nur Deine eigene Balkon- oder Terrassentür, bevor Du das Feuer entfachst. Auch Deine Nachbarn werden es Dir danken, wenn Du ihnen kurz Bescheid gibst.

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