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Baden-Württemberg führt 2022 als erstes Bundesland die Photovoltaik-Pflicht für Neubauten ein. | Foto: 4th Life Photography/stock.adobe.com

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Photovoltaik-Pflicht für Neubauten

Ab 2022 müssen Neubauten in Baden-Württemberg mit Photovoltaik oder Solarthermie ausgerüstet werden. Lies hier, was das für Wohnhäuser bedeutet.

In Sachen Klimaziele legt das Land Baden-Württemberg derzeit ein ganz schönes Tempo vor: Bis 2040 soll das Ländle vollkommen klimaneutral sein – fünf Jahre früher als der Bund und zehn Jahre früher als die EU. Dabei ist der Bausektor gleich doppelt gefragt. Neben nachhaltigen, emissionsarmen Bauweisen braucht es schließlich auch jede Menge Grünstrom, um diese Ziele zu erreichen. Neben dem Ausbau der Windkraft setzt die Landesregierung dabei vor allem auf Sonnenenergie.

Die neue Photovoltaik-Pflicht ist ein wichtiger Baustein dieser Strategie. Nach und nach sollen Dächer im ganzen Bundesland als Flächen für die Gewinnung von Solarstrom erschlossen werden. Der erste Schritt dazu ist auch schon getan: Seit dem 1. Januar 2022 sind alle Bauherren in Baden-Württemberg dazu verpflichtet, neue Nichtwohngebäude mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten. Von hier aus werden die neuen Vorgaben jetzt schrittweise auch auf andere Immobilientypen ausgeweitet.

Was bedeutet die Photovoltaik-Pflicht für Wohnhäuser?

Ab 1. Mai 2022 gilt die Photovoltaik-Pflicht in Baden-Württemberg auch für neu gebaute Wohnhäuser. Je nach Größe und Konstruktionsform des Daches gibt es dabei aber Ausnahmen. Verpflichtend wird die Installation einer Photovoltaik-Anlage nämlich nur für Neubauten, deren Dachfläche erstens größer als 20 Quadratmeter ist und zweitens einen Neigungswinkel von 20 bis 60 Grad aufweist.

Der Stichtag für die Photovoltaik-Pflicht gilt außerdem für den Eingang der vollständigen Unterlagen für den Neubau bei der zuständigen Baurechtsbehörde. Neubauprojekte, die zwar erst nach dem 1. Mai 2022 in die Bauphase gehen aber schon vor der Deadline genehmigt wurden, sind also ausgenommen.

Außerdem muss die Photovoltaik-Anlage nicht unbedingt auf dem Hausdach sitzen. Die Vorgaben gelten auch als erfüllt, wenn Photovoltaik-Module mit entsprechender Leistung im Außenbereich einer Immobilie installiert wurde – etwa im Garten oder auf dem Garagendach.

Wie wird geprüft, ob ein Neubau die Vorgaben erfüllt?

Als Nachweis für die Erfüllung der Photovoltaik-Pflicht für Neubauten in Baden-Württemberg dient die Registrierung im sogenannten Marktstammdatenregister. Innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme muss jede neue Photovoltaik- Anlage hier eingetragen werden, damit sie Strom ins Netz einspeisen kann. Den Eintrag bestätigt die Bundesnetzagentur dann der unteren Baurechtsbehörde – denn die erteilt die Baugenehmigungen und hat den besten Überblick darüber, welche Neubauprojekte die neue Photovoltaik-Pflicht erfüllen müssen.

Wie geht es weiter?

Von der Photovoltaik-Pflicht ausgenommen sind bisher Bestandsimmobilien. Aber auch sie sollen in den kommenden Jahren nachgerüstet werden. Alle Dächer, die ab dem 1. Januar 2023 umfassend saniert werden, unterliegen daher ebenfalls der Photovoltaik-Pflicht.

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