Reutlinger General-Anzeiger
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Heinzelmann Areal in Reutlingen: Das ehemalige Fabrikgelände soll ein Wohnquartier werden. Foto: all

Wohnen

Flächen checken – Räume schaffen!

Bis zu 2,7 Millionen Wohnungen könnten auf ungenutzten Flächen entstehen. Eine Studie der TU Darmstdt ermittelt schlummerndes Potenzial.

Parkhausdächer, Bürogebäude und Discounter könnten Platz für Dein neues Zuhause bieten. So lesen sich aktuelle Forschungsergebnisse der der TU Darmstadt. In ihrer Deutschlandstudie2019 nimmt die Technische Universität solche Orte unter die Lupe, die bislang keine Wohnbebauung vorsehen, also Verwaltungs- und Gewerbebauten, Kommerzzentren und Parkhäuser. Die Ergebnisse sind ermutigend: 2,4 bis 2,7 Millionen Wohneinheiten insgesamt könnten über Umnutzungs- und Aufstockungsmaßnahmen entstehen.

Deutschlandstudie2019 prangert Flächenversiegelung an

Deutschlandweit enstehen täglich mehr als 60 Hektar neue Siedlungs- und Verkehrsflächen – das ist eine Größenordnung von rund 100 Fußballfeldern. Jedoch: Flächenversiegelung im großen Stil ist längst als eine der Top-Umweltsünden erkannt und soll dementsprechend verringert werden. Bis Ende 2020 plant die Bundesregierung daher, den bundesweiten Flächenverbrauch auf 30 Hektar zu reduzieren.

Bevölkerungswachstum steigend

Gleichzeitig zum Flächeneindämmungsplan der Regierung wächst der Bedarf an Wohnraum. Bis zum Jahr 2035 werden, laut Studie, mehr als 83,1 Millionen Menschen im Bundesgebiet leben. Im Idealfall müssten deshalb rund 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden. Höchste Zeit also für neue Baukonzepte. Die Ergebnisse der Technischen Universität Darmstadt liefern eine umfassende Daten-Basis, damit innovative Ideen reifen können. Ihr Ziel: Wohnraum schaffen in ungenutzten Gebäuden, auf Parkhausdächern und in Bereichen rund um Discounter.

Was könnte wo entstehen?

Folgende Potenziale haben die TU-Experten im Einzelnen ermittelt:

  • 1,1 bis 1,5 Millionen  Wohneinheiten auf Wohngebäuden der 1950er- bis 1990er-Jahre.
  • 20.000 Wohneinheiten oder soziale Infrastruktur auf Parkhäusern der Innenstädte.
  • 560.000 Wohneinheiten durch Aufstockung von Büro- und Verwaltungsgebäuden.
  • 350.000 Wohneinheiten durch Umnutzung des Überhangs (Leerstand) von Büro- und Verwaltungsgebäuden.
  • 400.000 Wohneinheiten auf den Flächen von eingeschossigem Einzelhandel, Discountern und Märkten, bei Erhalt der Verkaufsflächen.
  • Gesamt: 2,3 bis 2,7 Millionen Wohnungen.

Spannend ist, dass sich neben den untersuchten Bereichen noch mehr Bebauungspotenzial finden ließe: ungenutzte Brachflächen, kleinere Baulücken und Fehlbebauungen.

Deutschlandstudie2019 sieht politischen Handlungsbedarf

Jedoch: Bei aller Begeisterung für super kreative Baulösungen, die die Studie anstoßen könnte, gibt’s auch den einen oder anderen Grund für Skepsis. Denn, so die Darmstadter Forscher: „Es muss gegenwärtig von den schlechtesten politischen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau in der gesamten Nachkriegsgeschichte ausgegangen werden“.
Dazu gehören zeitlich begrenzten Förderprogramme, die größere Investoren eher abschrecken als motivieren. Und dazu gehört, dass die Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau abgesenkt werden sollen.
„Auf der Basis der bisherigen Beschlüsse fehlt vielen Unternehmen die ausreichende Sicherheit hinsichtlich eines weiteren Wachstums des Wohnungsbaus“. Hinzu komme, dass etliche bauordnungs- und bauplanungsrechtlichen Vorgaben, zum Beispiel für Brandschutz und Energiewerte, innovative Umnutzungskonzepte erschweren.

Beispiele für Umnutzungen

Heinzelmann-Areal Reutlingen

Nach jahrelangen Gesprächen über die Zukunft des ehemaligen Fabrikgeländes in der Reutlinger Innenstadt, sind seit Januar 2020 die Weichen gestellt: Die GIEAG Immobilien AG (GIEAG) realisiert gemeinsam mit dem in Schweden ansässigen Architekturbüro „White Arkitekter“ ein Quartierskonzept für das historische Gebäude-Ensemble. Baubeginn ist 2021.
Planungsziel ist die Umnutzung und Erweiterung der Gewerbeanlage zu einem autofreien Quartier, das einen vielfältigen Mix aus Wohnen und Gewerbe auf einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 16.000 Quadratmetern umfasst. Insgesamt sollen 87 Wohn- und 20 Gewerbeeinheiten entstehen.

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Heinzelmann-Areal Reutlingen. Foto: all

Stadtregal Ulm

Ein gelungenes Beipspiel für eine großräumige Umnutzung ist das Magirus-Deutz-Areal in Ulm, das seit seiner neuen Inbetriebnahme “Stadtregal” heißt. Hier wurde ein aus den 60er Jahren brachliegendes viergeschossiges Industriegebäude der Firma Magirus-Deutz baulich verändert. Mittels zehn Meter breiten Lichtschneisen wurde der Bau über alle Geschosse in fünf Häuser eingeteilt. Auf 35.000 Quadratmtern Gesamtfläche entstanden verschiedene Wohnungstypen und -größen, eingebettet in ein Ensemble mit vielseitiger Infrastruktur. Das sogenannter Ulmer Stadtregal bietet Raum für Dienstleister, Handwerker, Wellness-Angebote, Praxen und Kulturelle Angebote.

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Preisgekröntes Konversionsobjekt in Ulm: Die Magirus Deutz Gebäude wurden zum attraktiven Wohn- und Dienstleistungsensemble. Foto: PEG Ulm mbH
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