Reutlinger General-Anzeiger
Lüften
Frische Luft rein - verbrauchte raus: am besten geht's mit vollständig geöffneten Fenstern. Foto: Andrey Popov / stock.adobe.com

Wohnen

Lass frische Luft herein!

Regelmäßiges Lüften verhindert Schimmelbildung und die Ausbreitung schädlicher Erreger. Du kannst viel für die Luftqualität in Deiner Wohnung tun.

Gute Dämmung: ja. Gute Luft: jein!

Regelmäßiges Lüften ist auch im Frühling wichtig. Aber oft denken wir nicht daran, beim Jahreszeitenwechsel unser Lüftungsverhalten zu ändern. Wir halten die Fenster weiter geschlossen, um Energie zu sparen. Das kann auf die Dauer zu Schimmelbildung führen. Oft ist die Luftqualität ausgerechnet da schlecht, wo wir in Sachen Bautechnik auf die Umwelt achten. Dann eine gute Dämmung und moderne Fenster dichten unsere Räume ab, wodurch es wenig bis keinen Luftaustausch gibt. Daher sollten wir bewusst für die frische Brise von außen sorgen.

Hier die wichtigsten Tipps zum richtig Lüften:

  • Vor allem regelmäßig! Drei- bis viermal täglich sind – auch unabhängig von den Corona-Regeln – das Minimum
  • Kein Dauerlüften mit gekipptem Fenster, dafür aber Stoßlüften für mehrere Minuten
  • Lieber zwei als eins: Querlüften ist besonders effizient, da Du mit einander gegenüberliegenden Fenstern für Durchzug sorgst
  • Wasserdampf sofort ins Freie lassen: Also nach dem Duschen und beim Kochen direkt lüften
  • Alternativ zum Lüften von Hand kannst Du auch in eine moderne Lüftungsanlage investieren, die Deinen Job effizient übernimmt

Wie geht’s am besten?

Das Hauptziel beim Lüften ist der Luftaustausch. Und den bewirkst Du am schnellsten, wenn Du für einen kräftigen Durchzug sorgst. Also: zwei gegenüberliegende Fenster für mehrere Minuten öffnen und querlüften. So wird die Luft in Deinen Räumen in kurzer Zeit erneuert. Falls es nur ein Fenster im Raum gibt, solltest Du länger lüften. Je nach Jahreszeit und Witterung solltest Du jeweils zwischen fünf und 30 Minuten stoßlüften. Bei niedrigen Außentemperaturen weniger, da der Temperaturunterschied zum Innenraum die Luftzirkulation fördert. Bei warmer Witterung dauert der Austausch länger – was auch längere Lüftungszeiten bedeutet.

Wie lüfte ich bei Corona?

Das Lüften wird durch die Corona-Pandemie zurzeit sogar amtlich empfohlen. Es gilt als eine der wichtigsten Maßnahmen, um das Ansteckungsrisiko in Innenräumen zu verringern. Da sich die Viren über Aerosole – kleine Luftpartikel – überall im Raum verteilen, muss man gerade jetzt für regelmäßigen Luftaustauch sorgen. Im Büro empfiehlt das Umweltbundesamt, mindestens alle 60 Minuten für drei bis zehn Minuten zu lüften, in Besprechungsräumen sogar alle 20 Minuten und nach jedem Meeting.

Warum reichen gekippte Fenster nicht aus?

Lediglich gekippte Fenster ermöglichen leider keine ausreichende Luftzirkulation. Die frische Luft breitet sich nur sehr langsam im Raum aus und führt zu stetem Wärmeverlust. Denn, da Deine Heizwärme vom Heizkörper aus nach oben steigt, entweicht sie über die gesamte Lüftungszeit aus dem geöffneten Fensterspalt. Zusätzlich zu den Heizkosten riskierst Du auch Schäden an Deinen Wänden. Zumal das Mauerwerk rund um die Fenster auskühlt und Feuchtigkeit aus der warmen Raumluft zieht, die sich hier absetzt und zu Schimmelbildung führen kann.

Auch an anderen Wandstellen kann sich Schimmel bilden, wenn Du falsch lüftest. Gerade bei Neubauten oder energetisch sanierten Häusern sind die Gebäudehüllen dicht. Das heißt, dass keine Luft – und damit auch keine Luftfeuchtigkeit – nach außen dringt. Wird nicht regelmäßig gelüftet, riskiert man, dass sich an kälteren Stellen, etwa an Außenwänden, Schimmel bildet.

Gibt es auch technische Lösungen für’s Lüften?

Effizient lüften geht auch über eine leistungsstarke Lüftungsanlage. Im Idealfall führt sie dem Raum 100 Prozent Frischluft zu und macht regelmäßiges Lüften von Hand unnötig. Jedoch erfordern Lüftungsanlagen wie jedes technische Gerät ein gewisses Maß an Pflege und Kontrolle. Nicht regelmäßig getauschte Filter können zum Beispiel Sporen und Keime kultivieren und mit der Warmluft in Deiner Wohnung verteilen.

Welche Gründe sprechen noch für’s Lüften?

Ganz einfach: Sauerstoffreiche Luft tut unserem Körper gut. Wir können uns besser konzentrieren und sind insgesamt leistungsfähiger. Wenn wir lange nicht lüften, steigt die Kohlendioxidkonzentration in unseren Räumen. Auch Ausdünstungen von neuen Möbeln und Textilien können zu „dicker Luft“ führen.

Gebäudeschimmel kann zu Atemwegsproblemen und Allergien führen. Ebenso zählen Kopfschmerzen, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen zu den bekannten körperlichen Beschwerden bei Schimmelbelastungen. Der Grund für die Beschwerden sind die Sporen, die die Schimmelpilze abgeben und die über die  Luft in unsere Atemwege gelangen. Weitere Infos zu möglichen Erkrankungen durch Schimmel findest du hier

Letztlich gibt es auch rechtliche Gründe, warum Du regelmäßig lüften solltest. Als Mieter bist Du verpflichtet, durch Lüften dazu beizutragen, dass in Deiner Wohnung keine Schimmelschäden entstehen. Meist sichern sich Vermieter dazu über eine Extraklausel im Mietvertrag ab.

Jetzt weiterlesen
Auch interessant
Pfullingen

Bauen

Konzepte für neue Viertel

Neue Stadtquartiere sollen vielen Menschen Platz bieten. Trotzdem darf die Wohnqualität nicht zu kurz kommen. Ein Weg geht über die Konzeptvergabe.
Polster

Wohnen

Eins, zwei, drei – sauber!

Von Homeoffice bis Filmabend machen unsere Polstermöbel im Alltag einiges mit. Mit der Eins-Zwei-Drei-Routine verleihst Du ihnen den nötigen Frischekick.

Wohnen

Finde ein Sofa, das zu Dir passt!

Eine neue Couch finden kann zu einem Vorhaben werden, das einem Autokauf in nichts nachsteht. Material, Verarbeitung und Bequemlichkeit müssen stimmen.
GEA Publishing Reutlinger Wochenblatt
© GEA Publishing und Media Services GmbH + Co KG 2021