Reutlinger General-Anzeiger
Luftreiniger
Im Grunde eine prima Idee! Ich sorge täglich für meine ganz private Frischluftoase. Allerdings: Auch wenn Luftreiniger Aerosole stark mindern können, ersetzen sie keine Hygieneregeln. Foto: Electrolux

Wohnen

Sind Luftreiniger ausreichend?

Helfen mobile Raumlüfter gegen das Infektionsrisiko? Wie gut ist ihre Wirkkraft? Verbraucherschutzberater Matthias Bauer nimmt die Frischluftgeräte unter die Lupe.

Wie viel Kubikmeter Raum schafft ein mobiler Raumlüfter?

Ein Gerät für die gesamte Wohnung oder das gesamte Haus reicht nicht aus, höchstens für eine Ein-Zimmer-Wohnung. Denn grundsätzlich müssen mobile Luftreiniger in jedem Zimmer eingesetzt werden, in dem sich mehrere Personen aufhalten. Es geht ja wie beim konventionellen Lüften darum, die Virenkonzentration beziehungsweise die Aerosole in den Räumen zu minimieren.

Können Luftreiniger wirksam eine Übertragung von Corona Viren verhindern?

Nein, in Räumen oder Büros lässt sich grundsätzlich keine aerosolfreie Luft herstellen. Natürlich haben die technischen Möglichkeiten zur Reduktion der Viruslast in bestimmten Situationen aber ihre Berechtigung. Gerade, wenn es um das Ziel der Pandemiebekämpfung geht, ist es schon gut, alle verfügbaren Mittel zu nutzen.  

Luftreiniger
Matthias Bauer, Abteilungsleiter für Bauen und Wohnen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, rät zur Vorsicht bei der Verwendung von Luftreinigern zur Corona Prophylaxe. Foto: Verbraucherzentrale Ba-Wü

Kann ich beim Gebrauch eines Raumlüfters auf regelmäßiges Lüften verzichten?

Das ist überhaupt nicht sinnvoll. Aerosole verteilen sich binnen Minuten in Räumen, sie streben in Richtung Decke und verteilen sich dann im Raum. Durch Lüften und Raumlüfter kann nur die die Konzentration minimiert werden. Wichtig ist dabei, dass Verbraucher und Verbraucherinnen regelmäßig und bei komplett geöffnetem Fenster lüften. In Anlehnung an die Empfehlung für Büroräume (Arbeitsstättenregel ASR A3.6) wäre das mindestens alle 60 Minuten, bei Besprechungen mindestens alle 20 Minuten für drei Minuten im Winter und bis zu zehn Minuten im Sommer. Das regelmäßige Lüften über die Fenster reduziert außerdem Schadstoffe und Ausdünstungen von Möbeln und sonstigen Einrichtungen. Auch das Risiko für Schimmelbildung wird erheblich reduziert.

Welche Luftreiniger kann ich mit gutem Gefühl kaufen?

In der Regel eigenen sich alle Geräte – außer reine Umluftgeräte wie Ventilatoren oder Heizlüfter.  Im privaten Haushalt würde ich außerdem keine Geräte zur Luftreinigung verwenden, die mit UV-Licht, Ozon, kaltem Plasma, Elektrofiltern und ähnlichem arbeiten, da zum Teil unerwünschte Reaktionsprodukte freigesetzt werden. Entscheidend ist es, die richtigen Filter zu verwenden (HEPA-Filter, wenn möglich mit einem höheren Abscheidegrad bzw. nach DIN-Norm EN 1822-1:2019-10) und darauf zu achten, dass das Gerät regelmäßig gewartet wird. Im schlechtesten Fall habe ich mit einem Uraltfilter sonst eine regelrechte Virenschleuder.

Luftreiniger
Mit frischer Luft lebt sich’s angenehmer. Neben der Virenminderung sorgt eine dauerhaft kontrollierte Raum-Lüftung auch für eine geringere CO2-Konzentration. Foto: Electrolux

Welche Vorteile haben Luftreiniger fürs Raumklima ?

Mobile Raumlüfter können vor allem in stark frequentierten Räumen wie Küche, Ess- oder Wohnzimmer ein Baustein zur Reduzierung der Viruslast sein. Denn eine dauerhafte kontrollierte Lüftung sorgt für eine verbesserte Raumluft und wirkt sich auch günstig auf Reduzierung anderer Viren, wie beispielsweise Grippeviren sowie auf die CO2-Konzentration in Räumen aus. Es gibt auch eine CO2-App, mit der Verbraucher und Verbraucherinnen überschlägig berechnen können, wie hoch die CO2-Konzentration im Raum ist. Eine geringe CO2- Konzentration zeigt inzident auch eine geringe Aerosolkonzentration an

Welche Gefahren bergen die Geräte?

Es muss klar sein, dass ein Raumlüfter nur einer von mehreren Bausteinen ist, um das Ansteckungsrisiko in Innenräumen zu reduzieren. Intensives Lüften und andere lüftungstechnische Maßnahmen allein sind nicht ausreichend. Wer sich solche Geräte kauft, sollte sich also nicht nur darauf verlassen, sondern weiterhin die AHA- und Hygieneregeln beachten und in Situationen, in denen der Abstand nicht eingehalten werden kann eine entsprechende Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Vor der Kaufentscheidung gut informieren

Auch der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle: Für den Privathaushalt muss es nicht zwingend die teure Investition in einen Raumlüfter sein. Konventionelles Lüften, also über die Fenster, funktioniert ebenso gut.

Wer sich dennoch für ein Gerät entscheidet, sollte bei vielversprechenden Werbeaussagen zur Wirkung, wie beispielsweise „99,99 Prozent virusfrei“, vorsichtig sein und sich vor dem Kauf beispielsweise bei der Stiftung Warentest informieren. Gerade weil das Interesse an Raumlüftern derzeit hoch ist, besteht die Gefahr, dass Betrüger und unseriöse Anbieter das ausnutzen.

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