Reutlinger General-Anzeiger
Schimmel
Wandschimmel kann viele Ursachen haben - oft ist falsches Lüften eine davon. Ein Befall sollte vom Fachmann beseitigt werden. Foto: Unternehmensgruppe Heinrich Schmid

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Schimmel an der Wand. Was ist schief gelaufen?

Bruno Schuon, Malermeister und Schimmelsachverständiger der Reutlinger Unternehmensgruppe Heinrich Schmid, klärt über die Ursachen von Wohnungsschimmel auf.

Kalte Wände, überlastete  Abluftanlagen, falsches Lüften – Schimmel kann viele Ursachen haben. Und er ist äußerst hartnäckig! Da er tief in die befallene Oberfläche eindringt, wird man ihn nur schwer los. Um eine dauerhafte Beseitigung zu gewährleisten, sollte man wissen, woher der Befall kommt. Schimmelsachverständiger Bruno Schuon, erläutert, welche Faktoren einen Schimmelbefall begünstigen und wie man vorbeugen kann.

Schimmel-Risiko nach Dämmung

Das Haus hat eine effiziente Außendämmung erhalten? Dann ist ab jetzt ein neues Lüftungsverhalten angezeigt. Denn mit einem Vollwärmeschutz dichtet man die Außenwände ab. Bruno Schuon: „Auf diese Weise wird das natürliche Strömungsverhalten des Mauerwerks gestört. Folglich kann die wärmere, feuchtere Luft im Inneren nicht mehr nach außen dringen. Und auch nicht ihre Feuchtigkeit dort abgeben.“ Sein Rat: Wurde im nicht gedämmten Haus nur wenig gelüftet, sollte man sich nun an regelmäßiges Lüften gewöhnen.

Ein Vollwärmeschutz dichtet die Außenwände ab. Daher ist regelmäßiges Lüften angezeigt. Foto: Paul Brennen / pixabay.com

Auch Tapeten und Anstriche „schwitzen“

Vinyltapeten oder Flies-Tapeten sind praktisch und schick. Trotzdem ist mit Blick aufs Raumklima Vorsicht geboten. Bruno Schuon warnt: „Da sie vorwiegend aus synthetischem Material hergestellt sind, blockieren auch sie die natürliche Luftströmung.“ Ähnlich liegt der Fall bei isolierenden Wandfarben. Ein abwischbarer Latexanstrich im Bad hat auf den ersten Blick Vorteile. Auf die Dauer kann er fürs Mauerwerk aber genauso schädlich sein wie eine unsachgemäße Wärmedämmung.  

Problemzone Fenster

Auch neue Isolierglasfenster können – in Verbindung mit falschem Lüftungsverhalten – zu vermehrter Feuchtigkeit und damit zu Schimmelbildung führen. Bruno Schuon erklärt: „Eine einzige Person gibt über die Atemluft und den Schweiß bis zu 1, 5 Liter Wasser pro Tag an die Luft ab. Da moderne Fenster aber komplett dicht sind, fällt der natürliche Luftaustausch weg. Wird das Zimmerfenster gekippt, kühlen die Wandflächen rund um das Fenster aus. Allerdings ziehen kühle Wandflächen Feuchtigkeit an. Die Folge: Um das Fenster herum bildet sich Kondenswasser.

Lüften bei komplett geöffnetem Fenster tut Körper und Raumklima gut. Foto: Free Fotos / pixabay.com

Vorsicht in Nassbereichen

Besonders häufig geschieht das in Bad und Küche, da in diesen Räumen regelmäßig hohe Luftfeuchtigkeit entsteht. Weil die unliebsamen Sporen besonders gut in feuchter Umgebung gedeihen, bereitet man ihnen mit dauerhaft gekippten Fenstern gute Lebensbedingungen! Schuon: „Je länger es an diesen Stellen feucht bleibt, umso größer das Risiko, dass sich Schimmel bildet. Besser ist es, regelmäßig bei komplett geöffnetem Fenster durchzulüften.“

Jahreszeitenwechsel mitbedenken

Ein weiterer Umstand, der Schimmelbildung begünstigt, ist das Lüften im falschen Jahreszeitenrhythmus. Vielleicht bin ich aus den Sommermonaten gewohnt, lange und ausgiebig die Fenster zu öffnen. Bruno Schuon warnt jedoch, diese Gewohnheit nach den warmen Monaten beizubehalten: „Problematisch wird es, wenn ich mein Lüftungsverhalten in den kälteren Monaten nicht umstelle.“

Vorsicht bei Marathonlüften

Dann nämlich bestehe die Gefahr, dass der Wohnraum zu stark heruntergekühlt wird. „Mischt sich nach dem Lüften die kalte Luft mit warmer Luft aus angrenzenden Räumen, kondensiert auch hier das überschüssige Wasser“, so Schuon. An den kühlen Wänden und der Decke können Feuchteflecken entstehen. Und dann bei regelmäßigem „Marathonlüften“ auch Schimmelflecken!

Wie geht richtiges Lüften?

Seine Empfehlung: regelmäßiges Stoßlüften bis maximal 15 Minuten. Am besten sogar Querlüften, um den maximalen Luftaustausch zu gewährleisten. Falls das nicht möglich ist, dann Raum für Raum nacheinander lüften. Bei einem Lüftungsvorgang von rund zehn Minuten geht übrigens nur wenig Wärmeenergie verloren. Da Decke und Wände weiter warm bleiben, sinkt die Temperatur in der Regel nicht mal um ein Grad, informiert der Schimmelexperte. 

Probleme mit der Abluftanlage

Angenommen, im innenliegenden, fensterlosen Bad tummeln sich über die Jahre immer mehr Familienmitglieder. Dann hat die vorhandene Abluftanlage auch immer mehr zu tun. An sich sollte das kein Problem sein. Schließlich kann die Anlage so lange entlüften, bis das Bad wieder trocken ist. Allerdings verfügen die meisten Geräte über eine Zeitschaltuhr, um Energie zu sparen. „Wenige Familien korrigieren die gespeicherte Betriebszeit, damit das Gerät länger läuft, wenn mehr Menschen als früher das Bad benutzen. Folglich bleibt oft sehr viel Restfeuchte im Bad, wenn drei, vier oder mehr Leute morgens ihre Dusche nehmen“, gibt der Spezialist zu bedenken.

Selbsteinbau birgt Gefahren

Aber nicht nur überlastete, sondern auch falsch eingebaute Entlüfter können Schimmelbildung verursachen. Etwa wenn die Einbauküche eigenhändig installiert wird und Abluftrohre an Stellen angebracht werden, die nicht dafür vorgesehen sind. Letztlich wird der Missstand oft erst sichtbar, wenn die ersten Schimmelflecken auftauchen.

Wichtigster Aspekt bei der Schimmelvorbeugung ist die Luftzirkulation. Sie sollte möglichst ungehindert funktionieren. Außenwände, die durch Möbel verstellt sind, kommen sonst leicht ins “Schwitzen”. Foto: StockSnap / pixabay.com

Schimmel-Risiko durch Luftblockaden

Steht das Sofa direkt an einer Außenwand? Dann ist ebenfalls Schimmel-Gefahr im Verzug. Denn das Möbelstück verhindert, dass die Luft ungehindert zirkuliert und die Feuchte an den naturgemäß kühleren Wänden beseitigt. Ähnlich problematisch ist es, wenn Möbel vor den Heizkörpern stehen. Auch wird der gewünschte Luftstrom blockiert: Warme Luft kann nicht nach oben wandern und sich überall im Raum verteilen.       

Vorbeugung: sechs Tipps vom Fachmann

  • mehrmals tägliches Stoßlüften (fünf bis maximal 15 Minuten), am besten Querlüften
  • Heizen mit relativ konstanten Raumtemperaturen
  • Abluftanlangen vom Fachmann einbauen und regelmäßig warten lassen. Betrieb der Anlage auf den realen Bedarf einstellen.
  • Außenwände nicht mit Möbel verstellen, Abstände beachten!
  • Heizkörper nicht mit Möbeln oder Vorhängen verbauen, der Warmluftstrom sollte ungehindert die Decke erreichen
  • Ratgeber der Vermieter oder Hausverwaltungen beachten
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