Reutlinger General-Anzeiger

Sicherheit

Heruntergelassene Rollläden laden zum Einbruch ein

Trotz Corona ist für viele jetzt Reisezeit. Häuser und Wohnungen stehen zeitweise leer und können Langfinger anziehen. Kriminaloberrat Harald Schmidt gibt Tipps, wie Du Dich schützen kannst.

Man stelle sich vor: Man sitzt am Urlaubsort im Café, und das Telefon klingelt. Die Polizei ist dran. Einbrecher haben das Zuhause verwüstet. Der schönste Urlaub ist dann ruiniert. Das Dumme an der Sache: “Allzu oft laden Urlauber die Verbrecher sogar nach Hause ein”, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Fatal können etwa beschriftete Schilder am Koffer oder heruntergelassene Rollläden sein, erläutert er im Interview mit dem dpa-Themendienst.

Kriminaloberrat Harald Schmidt ist Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit Sitz in Stuttgart. Foto: Rüdiger Kottmann/Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Was man besser nicht macht

Harald Schmidt: “Es gibt ganz große Fehler, die man machen kann – nämlich kein sicherheitsbewusstes Verhalten an den Tag zu legen. Wenn man etwa Hinweise auf Abwesenheit gibt wie überquellende Briefkästen oder die tagsüber verschlossenen Rollläden. Das sind letztlich alles Signale und Einladungen. Auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter oder in den sozialen Netzwerken, dass man im Urlaub ist, zählt dazu. Oder der Abwesenheitsassistenz des E-Mail-Programms und das Kofferschild. Bei letzterem gilt der Tipp, dass man die Adresse verdeckt am Gepäckstück anbringen sollte, so dass Umstehende am Flughafen nicht lesen können: Der Harald Schmidt ist im Urlaub.”

Ein überfüllter Briefkasten ist ein deutliches Signal für Einbrecher: Dieses Haus steht schon einige Zeit leer. Foto: Silvia Marks

“Ich habe doch nichts Wertvolles!”

Schmidt: “Das ist der größte Irrtum, dem die Menschen unterliegen. Denn es kann bei jedem was abhanden kommen – und zwar das eigene Sicherheitsgefühl. Untersuchungen haben ergeben, dass fast jedes Vierte Opfer eines Wohnungseinbruchs sich anschließend mit dem Gedanken eines Umzugs trägt, weil das Unwohlsein-Gefühl so groß geworden ist. Aber die wenigsten können sich das finanziell leisten. Und sie müssen bedenken: Es werden häufig auch Erinnerungen gestohlen, die von einer Versicherung nicht ersetzbar sind.”

Wie kann ich mich auf die Schnelle schützen?

Schmidt: “Zunächst gilt es, eben keine Hinweise auf Abwesenheit zu geben. Man kann Nachbarn bitten, den Briefkasten zu leeren, die Rollläden abends zu schließen und morgens zu öffnen. Wer dafür niemanden hat, kann eine Anwesenheitssimulation mit einer Zeitschaltuhr einrichten. Sie schaltet etwa in regelmäßigen Abständen das Licht an und aus. Damit der Briefkasten während des Urlaubs nicht überquillt, gibt es auch einen Lagerservice. Das sind kurzzeitig realisierbare Maßnahmen.”

Ferienzeit – Einbruchszeit. Stimmt das?

Schmidt: “Diesen Zusammenhang können wir nicht herstellen. Entgegen der landläufigen Meinung erfolgen Einbrüche häufig zur Tageszeit, zum Beispiel während einer kurzen Abwesenheit des Bewohners, so etwa zur Schul-, Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. Wir raten daher – unabhängig von der Fahrt in den Urlaub – zur richtigen Sicherung der Wohnung oder des Hauses. Konkret hilft: richtig aufeinander abgestimmte mechanische und elektronische Sicherungstechnik sowie ein sicherheitsbewusstes Verhalten. Weitere Infos dazu gibt es auf der Webseite www.k-einbruch.de der Polizei. Hier finden interessierte Leser produktneutrale Informationen. Darüber hinaus gibt es die kostenlosen kriminalpolizeilichen Beratungsstellen.”

Was können Mieter tun?

Schmidt: “Der Mieter braucht für Nachrüstungen natürlich die Zustimmung des Eigentümers. Vermieter müssen erkennen, dass es zur Attraktivität eines Mietobjektes beiträgt, nicht nur Tageslichtbad oder eine Einbauküche zu vermieten, sondern auch Sicherheit.”

Einbruch beim Nachbarn entdeckt?

Gute Nachbarn achten aufeinander. Doch was, wenn man plötzlich verdächtige Personen und möglicherweise Einbrecher auf dem Nachbargrundstück bemerkt?
“In solchen Fällen sollte man nicht den Helden spielen”, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt. “Wenn Sie etwas Entsprechendes beobachten, gilt es immer über die 110 die Polizei zu verständigen und weiter aufmerksam zu beobachten. Währenddessen am Telefon bleiben, um der Polizei fortlaufend Hinweise zu geben.”

Eskalationen aus dem Weg gehen

Gut ist es auch, wenn man sich Kennzeichen eines verdächtigen Fahrzeugs notiert, die Fluchtrichtung von Tätern und Personenbeschreibungen merkt. “Es ist aber nicht Aufgabe eines Nachbarn, den Täter zu stellen”, erklärt Schmidt. “Es kann durchaus auch zu einer Eskalation führen, wenn man versucht, einen Einbrecher festzunehmen.” Der Kriminaloberrat betont: “Deswegen ist der wichtigste Schritt, die Polizei zu verständigen – damit hat man schon einen wesentlichen Beitrag geleistet.”

(Quelle: Simone Andrea Mayer, dpa)

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