Reutlinger General-Anzeiger
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Baubürgermeisterin Ulrike Hotz plädiert für ein breites Teamplay von Bau-Akteuren. Foto: Stadt Reutlingen

Wohnen

“Neue Quartiere brauchen viel Aufenthaltsqualität”

Urbanes Wohnen muss vielen Bedürfnissen gerecht werden. Wie das aussehen kann, erzählt Reutlingens Baubürgermeisterin Ulrike Hotz im Interview.

Was macht Reutlingen für Sie liebens- und lebenswert?

“In Reutlingen herrscht eine wunderbare Lebendigkeit und Vielfalt: Geschichtliche Traditionen, eine schöne Altstadt und zugleich ein hohes Maß an Modernität. Diese Mischung macht für mich den vitalen Reiz aus. Zugleich bietet die Stadt ein sehr modernes Arbeitsumfeld. Wir haben die komfortable Situation, dass unsere Einwohnerzahl in gleichem Maße wächst wie unsere Arbeitsplätze!”

Welche Dinge tut die Stadt für’s Klima?

“Klimaschutz geht ja alle an: Daher setzen wir besonders auf die Wende im öffentlichen Personennahverkehr. Unser Ziel ist es, den städtischen Individualverkehr in Zukunft deutlich zu verringern. Deshalb haben wir unser neues Stadtbuskonzept auf die Beine gestellt – mit einer Busversorgung mit kurzen Taktzeiten, Quartiersbussen in den Stadtbezirken und dem 365 Euro Jahres-Ticket. Weitere städtische Initiativen sind der Masterplan Radverkehr und die Regionalstadtbahn. Das erste Modul geht 2022 mit den Haltestellen „Bösmannsäcker“ und „Storlach“ an den Start.”

Wie sieht nachhaltige Stadtplanung für Sie aus?

“Seit der Jahrtausendwende gibt es bei Stadtplanern den klaren Trend zur „Innenentwicklung“. Innenentwicklung heißt, die Aufenthaltsqualität von Innenstädten und Dorfkernen optimal zu gestalten. Reutlingen hat dieses Thema schon sehr früh besetzt. Beste Beispiele sind das Seidenviertel, das Engel- Areal und der Georgenberg.”

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Urbane Quartiersentwicklung: Seidenviertel Reutlingen. Foto: Stadt Reutlingen

Welche Kriterien zählen bei der Planung?

“Natürlich geht es uns darum, Wohnraum für Menschen in allen Lebenslagen und auch preiswerten Wohnraum zu schaffen. Aber das ist nicht alles: Wir wollen vor allem urbane Räume gestalten, in denen die Menschen sich wohlfühlen und in denen ein gutes ökologisches Gleichgewicht herrscht. Deshalb schauen wir bei neuen Projekten: Wie ist die Aufenthaltsqualität? Gibt es einen Stadtteiltreff, einen Kindergarten? Genug Grünflächen? Wie ist die Nahversorgung mit Lebensmitteln?” 

Welche neuen Wohngebiete gibt es zurzeit?

“Wir sind in den letzten Jahren um circa 800 Einwohner pro Jahr gewachsen. Um diesem Bedarf an Wohnraum gerecht zu werden, haben wir 2.300 Wohneinheiten in der Bauleitplanung! Konkret entstehen im Moment das Wohngebiet in Orschel-Hagen Süd, das Blue Village und die Schieferterrassen (in Planung). Ebenfalls im Bau ist der City Garden in der Peter Rosegger-Straße. Perspektivisch wollen wir in Rappertshofen die Planung für ein innovatives, integratives Wohngebiet angehen.”

Nehmen Sie die Sorgen der Bürger ernst?

Eines der zurzeit größeren städtischen Planungsvorhaben sind die Schieferterrassen. Viele Anwohner im Reutlinger Nordraum, darunter eine Bürgerinitiative, machen sich Gedanken über ihre künftige Wohnqualität. Verstehen Sie die Sorgen der Bürger?
“Die Sorgen der Bewohnerinnen und Bewohner der angrenzenden Quartiere verstehe ich gut. Geht es doch darum, eine Fläche zu bebauen, die immer frei war. Deshalb hat sich die Stadt mit einem städtebaulichen Wettbewerb auf den Weg gemacht, bei dem die Integration und Vernetzung in die angrenzenden Wohngebiete, die Durchlüftung und die ökologischen Aspekte wie zum Beispiel das Regenwassermanagement mit viel Sorgfalt bearbeitet wurden. Ebenso wurde Rücksicht auf die Verbindung mit den bestehenden Wohngebieten hinsichtlich Höhe und Abständen genommen.”

Was raten Sie Wohnungssuchenden?

“Von städtischer Seite sind das Liegenschaftsamt und die Bezirksämter in den Reutlinger Ortsteilen gute Ansprechpartner. Außerdem gibt es auf der städtischen Website den Baupilot, der Baulücken im Stadtgebiet ausweist.”

Wie können Städte der Wohnungsnot besser begegnen?

“Wir brauchen Allianzen aus privaten Bauherren, Baugenossenschaften, Investoren, städtischen Wohnungsbaugesellschaften und – von Seiten der Gemeinden – eine aktive Liegenschaftspolitik. Der Reutlinger Gemeinderat hat aus diesem Grund einen umfassenden Maßnahmenkatalog zur Innenentwicklung und Nachhaltigkeit beschlossen, der in neue Wohnprojekte einfließt.”

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